Nicht mehr alle Kameras auf Juri Knorr

von Redaktion

Handball-Medaillenhoffnungen verbinden sich auch mit anderen Namen

Er lächelt jetzt auch mal: Juri Knorr. © dpa/Soeren Stache

Flensburg – Juri Knorr wirkt abwesend, schüttelt immer wieder ungläubig den Kopf. Dann rechnet Deutschlands Handball-Hoffnung schonungslos mit sich ab. „Ich mache mir selbst Vorwürfe. Das Gefühl, in solch einem großen Spiel nicht alles rausgehauen zu haben, enttäuscht mich so. Es tut einfach weh, nicht alles gegeben zu haben“, sagt der völlig niedergeschlagene Nationalspieler. Ziemlich genau ein Jahr ist vergangen, seitdem der Publikumsliebling nach der Halbfinal-Niederlage bei der Heim-EM gegen Dänemark mit sich ins Gericht ging.

Ganz anders sein Auftritt vor Journalisten am Donnerstagabend. Ja, diesmal hat Knorr auch nicht viel zu bemängeln. Schließlich hat sich das DHB-Team mit einem am Ende ungefährdeten Test-Sieg über Brasilien auf die WM eingestimmt. Und trotzdem wirkt der introvertierte Rückraum-Stratege in diesen Tagen irgendwie gelöst. „Ich erlebe ihn befreiter. Er spielt gut und ist lockerer“, sagte Bundestrainer Alfred Gislason.

Mit seinem Handtuch um den Hals huscht dem Ballverteiler von den Rhein-Neckar Löwen immer wieder ein Lächeln über das Gesicht. Auch diesmal scheinen Knorrs Gedanken abzuschweifen – allerdings in eine positive Handball-Welt. „Das ist mit die beste Mannschaft, mit der ich bisher im Nationalteam gespielt habe. Es macht Spaß, denn wir haben einfach eine geile Truppe“, schwärmt Knorr schließlich. Er ist der Lenker und Denker im deutschen Spiel.

Knorr steht bei Großturnieren immer noch extrem im Fokus. Die Hoffnungen auf die erste WM-Medaille seit dem Goldmärchen 2007 hängen auch mit ihm zusammen – aber nicht nur. Die Erwartungen lasten nicht mehr allein auf den Schultern des 24-Jährigen.

„Ich bin nicht der Typ, der so gern im Rampenlicht steht“, hatte Knorr einmal gesagt. Dass er im Sommer nach Dänemark wechselt, deuten einige auch als Flucht. Dabei haben sich im Nationalteam längst einige Jungstars, allen voran Renars Uscins, mit unter den Scheinwerfer gedrängt.

Dass Uscins verstärkt im Interesse der Öffentlichkeit steht, bemerkt auch Gislason. „Die große Sorge, die ich habe, ist, dass der Medienfokus auf Renars übergegangen ist. Sorge, weil Juri ziemliche Probleme damit hatte. Ich fürchte, dass wir versuchen müssen, Renars da ein bisschen wegzuhalten“, sagte der 65-Jährige.

Vor dem deutschen WM-Auftakt am Mittwoch gegen Polen wird weniger über Knorr diskutiert als über die jungen Wilden und ihren Beitrag zur Medaillenmission. Wenn das DHB-Team am Samstag (16.20 Uhr/ZDF) in Hamburg erneut auf Brasilien trifft, werden wieder viele Kameras auf Knorr gerichtet sein. Aber eben nicht alle.


DPA

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