Meister-Statement von nebenan

von Redaktion

Hinrundentitel als Bayern-Gruß an Leverkusen – dank „Maschine“ Kane

Mister eiskalt: Kane verwandelte in Gladbach den 26. Elfmeter hintereinander. Letzter Fehlschuss: WM 2022. © IMAGO

Tor mit dem 18. Ballkontakt: Harry Kane lieferte kein gutes Spiel – und wurde trotzdem zum Mann des Tages für die Bayern. Auch seine persönliche Durststrecke von drei Spielen ohne Treffer beendete er. © IMAGO

Mönchengladbach – Herbstmeisterschaft? Ich muss Sie doch bitten! „Hinrundenmeisterschaft“ heißt das heutzutage, sagte Max Eberl am Samstagabend, als er sich trotz Temperaturen unter dem Gefrierpunkt seines Mantels lange entledigt hatte und im Pullover durch die Katakomben des Gladbacher Stadions tänzelte. Im Herzen des Sportvorstands war es nach dem (zumindest auf dem Papier) rundum gelungenen Start ins Fußballjahr 2025 warm geworden, sogar so warm, dass er trotz des eher als Arbeitssieg zu titulierenden 1:0 (0:0) beim langjährigen Angstgegner von einem „Statement“ sprach. Ein Statement, das in der Fußballrepublik, vor allem aber in der unmittelbaren Nachbarschaft angekommen ist. Geographisch wie tabellarisch.

40 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Mönchengladbach und Leverkusen – also dort, wo man sich in der Nacht von Freitag auf Samstag tatsächlich bis auf einen Punkt an den Tabellenführer aus München herangeschlichen hatte. „Und dann“, gab Eberl zu, „hast du Druck hier in Gladbach.“ Diesem mit einer „Energie und Mentalität“ standgehalten zu haben, die auch Trainer Vincent Kompany explizit herausstellte, war der eigentliche Gewinn in diesem bitterkalten Topspiel, das die Bayern zwar dominierten, aber bis zum Ende nicht klar entscheiden konnten. Dass Eberl den Auftritt trotzdem unter „bemerkenswert“ einordnete, hatte dennoch seine Gründe.

Kompany fasste sie wie folgt zusammen: „Wir haben gekämpft und sind bis zum Ende ruhig geblieben.“ Kapitän Manuel Neuer hatte gar einen „einfach verdienten Sieg“ gesehen. Die Statistik sprach Bände: 10:0 Torschüsse, 8:1 große Chancen, knapp 70 Prozent Ballbesitz. Zur Wahrheit aber gehörte auch, dass ein nicht ganz unstrittiger Elfmeter zum Sieg führen musste, der den Bayern vor dem letzten Spieltag der Hinrunde am Mittwoch (20.30 Uhr) gegen Hoffenheim zur Halbjahres-Meisterschaft und somit einem „sehr, sehr guten Zwischenzeugnis“ (Eberl) verhalf. „Elfmeter-Maschine“ Harry Kane, wie Eberl den ansonsten blassen Stürmer nannte, netzte auch den 26. Strafstoß hintereinander ein. Trotzdem hätten sich die Bayern nicht beschweren dürfen, hätte der nicht ganz glückliche Schiedsrichter Felix Zwayer später auch auf der anderen Seite einen ähnlich leichten Schubser als Anlass für einen Strafstoß genommen.

Dann wäre die Sache womöglich anders ausgegangen, auch weil Kompanys Elf den Abend laut Kimmich mangels Chancenverwertung „viel zu spannend gemacht“ hatte. Eberl allerdings – auch das stellte er als Qualität dar – wollte sich mit Pfiffen und anderen Begleiterscheinungen gar nicht erst aufhalten. „Das ist mir egal“, posaunte der 51-Jährige raus, denn die Mannschaft habe nach allen vergebenen Großchancen und einem weiteren nicht gegebenen Handelfmeter „von A bis Z“ richtig agiert. Ein Anfang auf dem Weg zur von Uli Hoeneß bereits angekündigten Meisterschaft 2025 ist gemacht: „Und wenn wir alle Spiele gewinnen, werden wir Meister.“

Die Vergangenheit spricht da für die Bayern: In 23 von 26 Fällen stand nach dem Hinrunden-Triumph am Ende der Titel. Trotzdem war es nicht ganz ungeschickt von Joshua Kimmich, daran zu appellieren, dass „wir demütig bleiben und weiter hart arbeiten“. Noch fünf weitere Spiele stehen im heißen Januar an, ein Ausrutscher ist bis zum direkten Duell in Leverkusen am 15. Februar tunlichst zu vermeiden. Das Spieltagsfazit zog der Regisseur schmunzelnd: „Beide haben ihren Job gemacht.“ Wohlwissend, dass die Herbst-…, pardon!, Hinrundenmeisterschaft nichts wert ist, wenn am Ende der andere lacht.
HANNA RAIF

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