Leihkandidat im Sommer: Daniel Peretz. © IMAGO
Bis 2026 der Chef im Tor: Manuel Neuer. © IMAGO
Umgarnt aus München: Der Kölner Jonas Urbig. © IMAGO
München – Die Auslegung des Wortes „bald“ kann variieren, aber im Fall von Manuel Neuer darf man es durchaus als tatsächlich zeitnah interpretieren. Die Verlängerung des im Sommer auslaufenden Vertrages ist kein Geheimnis mehr, der 38-Jährige will und soll ein weiteres Jahr das Tor des FC Bayern hüten. Und der Moment, auf dem sich nach Angaben des Kapitäns vom Samstag nach dem 1:0 in Gladbach „alle schon freuen“, wird nicht mehr lange hin sein. Zeitnah, so ist aus dem Verein zu hören, womöglich noch im Laufe der Woche, soll die erste Vollzugsmeldung aus der Hauptzentrale an der Säbener Straße in die Fußballrepublik geschickt werden. Was allerdings nichts daran ändert, dass sich die Verantwortlichen des Rekordmeisters im Hintergrund die Köpfe über die K(eeper)-Frage zerbrechen. Mal wieder.
Ein paar Ansätze, es anders – oder eher: besser – zu machen als in den letzten Jahren, kann man aus der jüngsten Vergangenheit herausziehen. Denn die Nach-Neuer-Frage beschäftigt den Verein ja bereits seit rund fünf Jahren. 2020 wurde Alexander Nübel ablösefrei aus Schalke geholt, um irgendwann, in ferner Zukunft, in die zweifellos großen Fußstapfen des Mannes zu treten, der das Torwartspiel zu seinen besten Zeiten neu erfunden hat. Nun, fünf Jahre, zwei weitere Verpflichtungen und ein paar Millionen Euro weniger auf dem Konto später, steht man an einem ähnlichen Punkt wie damals. Die brennendsten Fragen: Wem traut man es zu? Wer ist bereit, ein Jahr im Schatten von Neuer zu stehen? Und wie groß ist die Bereitschaft des „GOATs“ tatsächlich, die Zeit nach ihm mitzugestalten?
Der grobe Schlachtplan sieht folgendes Prozedere vor: Neuer bleibt, sein Intimus Sven Ulreich agiert in einer möglichen weiteren Saison höchstens als dritter Keeper, die Nummer zwei wäre dann zu besetzen. Kandidaten immerhin gäbe es genug. Darüber aber, ob sie auch die richtige Lösung sind, wird intern viel diskutiert. Sicher ist nur, dass Nübel, der über die Leihstation Monaco inzwischen in Stuttgart starke Leistungen zeigt, den Schritt zurück nach München frühestens 2026 machen wird. „Natürlich ist es mein Ziel, dort die Nummer eins zu werden. Natürlich möchte ich mich dort etablieren“, sagte er am Montag dem „kicker“. Allerdings werde man erst 2026 sehen, „ob wir zusammenkommen oder uns auf etwas anderes einigen“. Fraglich, ob der dann bald 30-Jährige die 1a-Lösung ist oder man doch einem jungen Keeper vertraut. Daniel Peretz (24) etwa, 2023 für fünf Millionen Euro aus Tel-Aviv verpflichtet, wäre verfügbar – oder eben Jonas Urbig (21), nach dem die Münchner die Fühler ausgefahren haben.
Der Kölner würde weitere rund sechs bis acht Millionen kosten, zusätzlich zu den rund neun Millionen, die 2023 für Yann Sommer bezahlt wurden (Verkauf immerhin: 6 Mio.), und fünf für Peretz ist auch das finanzielle Volumen für die Torwartfrage nicht ganz wenig. Zumal all die Investitionen an der Tatsache scheiterten, dass der Platz hinter Neuer nicht nur gute Seiten hat. Das enge Gespann Neuer-Ulreich (und einst Trainer Toni Tapalovic) hat seine eigenen Abläufe, freiwillig pausieren will und wollte der Spielführer noch nie. In den jüngsten Verhandlungen wurde ihm daher auch deutlich gemacht, was von ihm erwartet wird, und CEO Jan-Christian Dreesen kommunizierte offen: „Er kann sehr viel weitergeben. Wir müssen einfach Wege finden, die am Ende für alle Seiten ideal sind.“ Auch der Verzicht auf Spiele zugunsten einer (neuen) Nummer zwei wird dazu gehören.
Dass es außer ihm auch andere Gute gibt, weiß Neuer. Unter anderem Gladbachs Moritz Nicolas, den Max Eberl nach dem 1:0 der Bayern am Samstag als „außergewöhnlich“ herausstellte. Sicherheitshalber fügte der Sportvorstand hinzu: „Das heißt nicht, dass wir den Spieler jetzt verpflichten — ich wollte es nur sagen.“ Da weiß einer um das Thema, das jährlich grüßt.
HANNA RAIF,
PHILIPP KESSLER,
VINZENT TSCHIRPKE