Geschätzt bei den Mitspielern: Thomas Müller mit Eric Dier, der vor allem für seinen Teamgeist gelobt wird. © Weis/Imago
Grazil: Eric Dier zeigte in Gladbach eine solide Leistung. Auch am Mittwoch gegen Hoffenheim könnte er wieder dabei sein, wenn der nicht ganz fitte Kim eine Pause bekommt. © IMAGO/Weis
München – Beim 1:0 in Mönchengladbach am Samstag hat man es gesehen: Wie praktisch, dass die Bayern Eric Dier haben. Der Engländer war in der Rückrunde unter Thomas Tuchel noch fester Bestandteil der Startelf. Beim neuen Trainer Vincent Kompany kommt er allerdings trotz verletzungsbedingter Innenverteidiger-Knappheit bislang kaum zum Zug. Ein Grund dafür ist sein geringes Tempo. Nun könnte Dier aber vom Ersatz-Ersatzmann zum vorübergehenden Stammspieler werden, also anders gesagt: richtig wichtig.
Aufgrund der Gelb-Sperre von Dayot Upamecano sowie der Ausfälle von Hiroki Ito (Mittelfußbruch) und Josip Stanisic (Außenbandriss im Knie) spielte der frühere Tottenham-Star, der seit Januar 2024 beim FC Bayern ist, am Samstagabend in Möchengladbach zum ersten Mal in dieser Saison durch. Beim 1:0 gegen die Borussia zeigte Dier an der Seite von Dauerbrenner Minjae Kim, der in allen bisherigen 25 Bayern-Pflichtspielen in der Startelf stand, eine solide Leistung. Und bekam anschließend sogar Sonderlob von Kompany.
„Eric ist ein Spieler mit viel Erfahrung, der genau weiß, was in solchen Momenten zu tun ist. Spieler wie er haben Charakter und denken immer ans Team“, sagte der belgische Coach, der sonst ungern über Auftritte einzelner Münchner Stars spricht.
Nach Informationen unserer Zeitung gibt es die Überlegung, dass Dier auch an seinem 31. Geburtstag im Bundesliga-Heimspiel am Mittwoch (20.30 Uhr, Sky) gegen die abstiegsbedrohten Hoffenheimer (Platz 15) in der Startelf stehen soll. Gegen Gladbach konnte man nämlich gut erkennen, dass Kim nach wie vor die Spritzigkeit fehlt. Kein Wunder –seit dem 3:3 Anfang Oktober in Frankfurt plagen den Südkoreaner Probleme an der Achillessehne. Auch während der Winterpause wurde er die Entzündung offenbar nicht los.
Zwar betonte Abwehr-Monster Kim, der auch wochenlang Knieschmerzen hatte, im Dezember: „Ich will so oft, wie es geht, spielen und der Mannschaft helfen. Ich habe mehrmals betont, dass ich lieber spiele und eventuell kaputt gehe, als auf der Bank zu sitzen.“ Allerdings: Dass Kims Achillessehnenprobleme sich verschlimmern und er langfristig ausfällt, wäre der Super-GAU.
Demnächst wäre eine Möglichkeit für eine Verschnaufpause, in der sich der 28-Jährige erholen könnte. Die nächsten Bayern-Gegner nach dem Duell mit der TSG sind Wolfsburg (18.1.), Feyenoord Rotterdam (22.1.), Freiburg (25.1.), Slovan Bratislava (29.1.), Kiel (1.2.) und Bremen (7.2.). Klar ist: In den titelentscheidenden Wochen – ab dem 15. Februar gegen Verfolger Leverkusen – kann Kompany nicht auf Kim verzichten.
Bis dahin kann der Rekordmeister guten Gewissens auf Vorzeigeprofi Dier, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, setzen. Der Engländer ist äußerst beliebt im Team, braucht keine Anlaufzeit. „So ein Mindset, das bringt uns als Gruppe voran. Auch wenn er nicht so viele Minuten gesammelt hat, für uns als Team ist er unfassbar wichtig“, schwärmte Joshua Kimmich schon im November. „Wenn du ihn in der Nacht anrufst und sagst, er soll um 6 Uhr zum Training kommen, dann ist er da und gibt 100 Prozent.“
Zudem steht Stanisic nun nach mehreren Verzögerungen wirklich vor dem Comeback. Gegen Gladbach musste er aufgrund einer Oberschenkel-Zerrung kurzfristig passen. In dieser Woche soll der kroatische Nationalspieler, der in der Vorsaison an Doublesieger Leverkusen ausgeliehen war, aber endgültig wieder in den Kader zurückkehren. Der Ex-Stuttgarter Ito hingegen braucht noch Zeit. Die Zeit nutzt Dier gerne, um Minuten zu sammeln.
P. KESSLER, H. RAIF