„Das Viertelfinale ist Pflicht“

von Redaktion

Weltmeister Pascal Hens über die deutschen WM-Erwartungen und Vergleiche mit 2007

Weltmeister 2007: Pascal Hens (li.) mit Christian Schwarzer und Markus Baur. © IMAGO/SIMON

München/Herning – Pascal Hens weiß, wie man Handball-Weltmeister wird. Der 44-Jährige war als Shooter im linken Rückraum maßgeblich am Triumph 2007 beteiligt. Heute kommentiert „Pommes“ die Bundesliga für Dyn. Während der WM ist er in München für Eurosport im Einsatz und begleitet die nicht-deutschen Gruppen.

Herr Hens, haben Sie sich schon an das WM-Format mit 32 Teams gewöhnt?

Über so etwas habe ich mir nie groß Gedanken gemacht, früher höchstens im Lauf des Turniers. Heute weiß ich es wegen meines Jobs als Experte natürlich, aber es spielt für mich keine große Rolle. Ich bin auch niemand, der zu rechnen beginnt, wer wie spielen muss.

Der Klassiker: Von Spiel zu Spiel denken – das hört man oft von Spielern. Aber Hand aufs Herz, man weiß doch, was womöglich kommt.

Natürlich kennt man grob den Turnierbaum. Aber die ganze Theorie hilft nichts, man sollte bestmöglich sowieso jedes Spiel gewinnen.

Ist das aus DHB-Sicht möglich? Wie bewerten Sie die deutsche Turnier-Auslosung?

In der Vorrunde sollte uns vor niemanden angst und bange sein. Auch mit Blick auf die voraussichtliche Hauptrunde – Dänemark ausgenommen, gegen die sind wir natürlich klarer Außenseiter – sollte das Viertelfinale Pflicht sein. Das Team hat bei Olympia viel Freude gemacht und ist breiter aufgestellt als noch vor ein paar Jahren. Viele Jungs haben auch in ihren Vereinen führende Rollen. Der Druck lastet nicht mehr so sehr auf Spielmacher Juri Knorr.

Stört Sie die überschaubare Leistung im letzten Test gegen Brasilien?

Nein, im Gegenteil. Das spitzt die Sinne. Ich meine mich zu erinnern, dass die Situation 2007 ähnlich war.

Renars Uscins war die große Entdeckung bei Olympia. Wer könnte das bei der WM sein?

Marko Grgic hat in der Liga eine überragende Hinrunde gespielt. Er war zwar in Paris schon dabei, wird jetzt aber sicher deutlich mehr Spielanteile bekommen. Was man aber bedenken muss: Beim Club in Eisenach ist er der absolute „Go-to-Guy“, also derjenige, der in engen Situationen die Verantwortung übernimmt. Diese Rolle hat er im Nationalteam bisher noch nicht.

Die 2007er-Mannschaft und das heutige Team – kann man die vergleichen?

Da bin ich kein Freund von. Vor allem, weil sich das Spiel seitdem ungemein entwickelt hat und brutal schnell geworden ist. Während man ein Tor bejubelt, kassiert man manchmal schon den nächsten Gegentreffer. Eine gelungene Aktion abzufeiern, das geht eigentlich nur noch auf der Bank.

Apropos Entwicklung: Bundestrainer Alfred Gislason ist seit fünf Jahren im Amt. Hat er die Erwartungen erfüllt?

Nach der Silbermedaille bei Olympia können wir nur zufrieden sein. Ich finde auch, dass Alfred viele taktische Dinge hereingebracht hat, die funktioniert bzw. unsere Gegner vor Schwierigkeiten gestellt haben. Ich blicke optimistisch in die Zukunft.


INTERVIEW: MATHIAS MÜLLER

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