Erfolgreich gestreckt: Lys steht in Runde zwei. © Yamazaki/AFP
Unverhofft weiter: Eva Lys. © Frank Molter/dpa
Melbourne – Eva Lys ließ ihren Schläger fallen und schlug ungläubig die Hände vors Gesicht. Die auf den letzten Drücker noch ins Hauptfeld gerutschte Hamburgerin hatte bei den Australian Open soeben ein kleines Tennis-Märchen erlebt.
Die 23-Jährige zog durch ein 6:2, 6:2 gegen die Australierin Kimberly Birrell erstmals in die zweite Runde des Grand-Slam-Turniers in Melbourne ein, obwohl sie sich schon fast im Flieger Richtung Heimat gewähnt hatte. Denn Lys hatte in der letzten Qualifikations-Runde durch eine Dreisatz-Niederlage gegen die Australierin Destanee Aiava den Sprung ins Hauptfeld eigentlich knapp verpasst.
„Mein Flug war für morgen früh gebucht“, sagte die Deutsche. Sie lag entspannt auf der Physio-Liege, da erhielt sie eine Nachricht, die sie „in eine gute Panik“ versetzte: 15 Minuten bis zum Match. Keine Zeit für eine vernünftige Vorbereitung, für ein echtes Warm-Up. Statt einen frühen Heimflug anzutreten, durfte Lys als „Lucky Loser“ plötzlich doch noch an der ersten Runde der Australian Open teilnehmen – und tat dies mit Bravur. Sie habe einfach „keine Chance gehabt, nervös zu werden“, erinnerte sich die Nachrückerin, als sie von ihrem Nachmittag in Melbourne berichtete.
Die an Nummer 13 gesetzte Russin Anna Kalinskaja zog kurzfristig aus dem Turnier aus, so dass die Hamburgerin als sogenannter Lucky Loser aufschloss. „Ich bin einfach nur happy“, sagte Lys, die mit einem Dauerlächeln spielte: „Ich habe Fehler gemacht, aber ich war dennoch glücklich, auf dem Platz zu stehen. Das war definitiv der Schlüssel.“
Die Hamburgerin spielte in der Kia-Arena, einer der vier großen Arenen im Melbourne Park, gegen die australische Lokalmatadorin frech und spielstark auf. Die Weltranglisten-128. nutzte die Verunsicherung von Birrell, die sich auf ein Spiel als Außenseiterin gegen Kalinskaja vorbereitet hatte. „Die ist sau nervös, so nervös wäre ich an ihrer Stelle auch“, meinte Lys während eines Gangs zum Handtuch. Mit vier Breaks gewann die 23-Jährige den ersten Satz, auch eine Toiletten-Pause brachte Birrell nicht den erhofften Fokus. Lys gewann nach nur 70 Minuten das Match.
Auch Bundestrainer Torben Beltz, der sich über eine vierte deutsche Spielerin in der zweiten Runde freuen durfte, erlebte einen ungewöhnlichen Tag. „Das war schon unglaublich. Dass es so knapp ist, ist nicht sehr häufig“, sagte er.
Und jetzt? Lässt sich diese Unbekümmertheit auch auf die zweite Runde gegen die Französin Warwara Gratschowa übertragen? Wenn es nach Lys geht: ja. „Ich bin immer noch Lucky Loser und werde mit dem selben Mindset spielen“.