Sein Lächeln gehört jetzt einem Energydrink-Hersteller: Jürgen Klopp im Hangar7. © dpa/Jan Woitas
Salzburg – Jürgen Klopp nippte an der Dose und griff mit seinem breitesten Haifischgrinsen ganz tief in die Trickkiste des Marketings. „Ich möchte den Menschen helfen, besser zu werden, ihnen Flügel verleihen. Das ist einfach cool“, sagte der neue Global Head of Football von Red Bull über seine Mission.
Im Hintergrund hob passend dazu donnernd ein Flugzeug auf der Startbahn des Salzburger Flughafens ab. Der frühere Meistertrainer von Dortmund und Liverpool ließ bei seiner Vorstellung im protzigen Glaspalast Hangar7 keinen Zweifel daran, dass er auch als Fußballfunktionär hoch hinaus will.
„Ich möchte nicht das Spiel verbessern, sondern den gesamten Fußball“, sagte der nach monatelangem Urlaub erstaunlich hagere Klopp bei einem zuckerfreien Energy-Drink und schwärmte: „Ich kann es gar nicht abwarten.“ Nach fast einem Vierteljahrhundert als Trainer sehe er sich künftig als Berater und „einfacher Angestellter“, sagte Klopp – „das ist genau das, was ich machen wollte“ nach der kraftraubenden Zeit an der Seitenlinie: „Ich möchte kein Mitläufer sein oder nur ein Promi im Raum, sondern einen Beitrag leisten – ich habe festgestellt: das kann ich.“
Neben Klopp saß Geschäftsführer Oliver Mintzlaff und sagte unmissverständlich, was er von Klopp im „besten Job der Fußballwelt“ erwarte: „Wir wollen gewinnen, wir wollen liefern.“ In der ersten Reihe saßen RB-Direktor Mario Gomez und Radsportmanager Ralph Denk auf weißen Ledersofas und nickten.
Spürt Klopp Druck? „Nein“, sagte er selbstbewusst, aber klar: „Alles, was wir rausquetschen können, versuchen wir rauszuquetschen.“ Als er mit Mintzlaff über den Job gesprochen habe, habe er „ganz schnell Feuer gefangen“. Aber auf keinen Fall wolle er an die Seitenlinie eines Red-Bull-Clubs. Nervös sei er nicht: „Warum sollte ich?“
Vielleicht, weil die Erwartungen an den 57-Jährigen riesig sind und weit über das hinausgehen, was Mintzlaff öffentlich formulierte. Das zeigte schon die Art der Präsentation. Klopp wurde vor mehr als einem Dutzend Kameras und rund 150 Medienvertretern aus aller Welt von zwei Formel-1-Boliden flankiert, auf einer Werbetafel hinter ihm prangte sein Autogramm neben dem Firmenlogo. Er sprach durchgehend Englisch. Am Einlass lag für die Gäste ein Cartoon des Brausegiganten aus, auf dem Klopp im typischen Werbestil der Marke mit Flügeln über die Fußballwelt schwebt.
Diese soll und will er verändern. Klopp ist für die RB-Teams in Leipzig, Salzburg, New York, Brasilien und Japan zuständig. Zudem hält das Unternehmen Beteiligungen an Leeds United und dem FC Paris, beim FC Turin sowie bei Atletico Madrid ist der Konzern Geldgeber. Einer wie Klopp, sagte Mintzlaff, habe diesem Fußball-Imperium „gefehlt. Einer, der eine andere Perspektive einnimmt.“
Dabei hatte sich Klopp vom FC Liverpool mit den Worten zurückgezogen, er habe keine Energie mehr – ein Widerspruch? Nein, beteuerte Klopp, „bei den Reds war ich nicht mehr der richtige Mann, aber ich habe nicht gesagt, dass ich nicht mehr arbeiten wolle. Ich brauchte was Neues.“ Und die Kritik, auch von früheren Kloppo-Fans? Die Leute in Leipzig oder Salzburg „verdienen es einfach, guten Fußball zu sehen“, sagte er. „Ich helfe gerne, egal wo ich hinkomme.“
SID