Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD). © Gollnow/dpa
Bremens Innensenator Ulrich Mäurer. © Wölk/Imago
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. © IMAGO
München – Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Beteiligung der Proficlubs an den Polizeikosten für Hochrisikospiele sind nun die Bundesländer am Zug. Doch die geben bei der heiklen Frage nach der Kostenübernahme ein gespaltenes Bild ab. Viele Fragen bleiben offen nach dem Spruch der Karlsruher Richter. Sie hatten die Beschwerde der Deutschen Fußball Liga (DFL) gegen eine Regelung aus Bremen zurückgewiesen. Ein Überblick:
Wie reagieren die Länder? Bisher sind die Bundesländer bei der Frage der Kostenübernahme uneins. Die Innenministerien könnten den Clubs in Zukunft die zusätzlichen Kosten für Hochrisikospiele in Rechnung stellen. Niedersachsen und Hamburg erwägen ein ähnliches Modell wie Bremen und sind damit offen für eine Kostenbeteiligung der Clubs. Dagegen bekräftigten Bayern, Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg, weiterhin keine Kostenbeteiligung zu planen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sagte dem Bayerischen Rundfunk am Mittwoch, aus seiner Sicht liege die „Gesamtverantwortung für die Sicherheitslage in unserem Land“ bei der Polizei und sei damit eine staatliche Aufgabe. Er werde jetzt erst einmal mit den Vereinen sprechen. Herrmann sagte, auch nach dem Urteil müsse man sich überlegen, ob es gerecht sei, den Vereinen einfach die Polizeieinsätze in Rechnung zu stellen. „Wenn dann rechtsradikale Chaoten aus Ostdeutschland anreisen zu einem Spiel von Jahn Regensburg“, könne ja der Jahn nichts dafür. Es sei ihm aber ein Anliegen, dass die Vereine „noch mehr tun für die Sicherheit in ihren Stadien“ und dass Täter identifiziert und bestraft werden. Hessen strebt ein einheitliches Vorgehen an. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer, der sich über viele Jahre hinweg mit dem Profifußball angelegt hat, hofft auf eine einheitliche Lösung bei der Innenministerkonferenz. Er wiederholte einen Vorschlag, wie das Urteil in die Praxis umgesetzt werden könnte: „Die Profiliga zahlt in einen Fonds ein, und die Polizeien des Bundes und der Länder werden dann nach dem Aufwand abgerechnet“, sagte der SPD-Politiker. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) erklärte, allein die Bundespolizei setze schon jetzt rund 2000 Polizistinnen und Polizisten an jedem Spieltag ein.
Welche Auswirkungen hat das Urteil für Clubs der 3. Liga und der Regionalligen?
Der Profifußball spielt unter dem Dach der DFL, alles darunter fällt in die Zuständigkeit des Deutschen Fußball-Bundes. Der DFB sieht drohende Gebührenbescheide für viele Vereine, vor allem in der 3. Liga und der Regionalliga, als potenziell „existenzgefährdend“.
Was ist ein Hochrisikospiel und wer bestimmt das? Als Hochrisikospiele werden solche Partien bezeichnet, bei denen besonders mit Auseinandersetzungen zwischen den Fanlagern gerechnet wird. Nach DFL-Angaben gab es in der Saison 2022/23 bei insgesamt 612 Begegnungen in der 1. und 2. Liga 52 sogenannte „Rotspiele“. Die Einstufung nehmen der gastgebende Verein zusammen mit DFB oder DFL vor und beziehen dabei in enger Abstimmung die Sicherheitsbehörden mit ein.