Zurück beim DHB: Timo Kastening von Bundesligaspitzenreiter MT Melsungen. © Imago/Wolf
München/Herning – Spieltag eins für die deutschen Handballer: Gestern stieg das Team von Bundestrainer Alfred Gislason im dänischen Herning mit einer Partie gegen Polen ins WM-Turniergeschehen ein. Seit Montagabend weilt die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) im 40 Kilometer entfernten Silkeborg. Dort hat sie für die Zeit in Dänemark ihr Quartier bezogen. Unsere Zeitung hat mit dem 29 Jahre alten Rechtsaußen Timo Kastening vom Bundesliga-Spitzenreiter MT Melsungen und über die Qualität im Kader gesprochen.
Ist die WM 2025 ein besonderes Turnier für Sie?
Kann man schon so sagen. 2021 in Ägypten war es besonders, weil das Turnier mitten in der Pandemie ausgetragen wurde. Und 2023 musste ich wegen meines Kreuzbandrisses passen. So gesehen ist es jetzt meine erste richtige WM. (schmunzelt) Da wir aber mit Polen, Schweiz und Tschechien eine europäisch geprägte Vorrundengruppe haben, fühlt es sich gerade eher wie eine EM an.
Wie fällt Ihr Fazit nach der Vorbereitung aus?
Positiv. In den Testspielen gegen Brasilien haben wir Licht und Schatten gezeigt. Viel wichtiger aber war, dass wir weiter vorangekommen sind, was die Eingespieltheit, die Taktik und das Vertrauen in die Mitspieler angeht. Wir haben den Grundstein gelegt, um gut ins Turnier starten zu können.
Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die WM?
Nach der Hinrunde mit der MT bin ich natürlich mit breiter Brust nach Dänemark gereist. Aber zur Wahrheit gehört auch: Wenn du bei der Nationalmannschaft bist, dann bist du auf einer anderen Ebene. Da geht es nicht darum, welche Form du im Verein hattest oder auf welchem Tabellenplatz du mit deinem Klub stehst. Du nimmst eine komplett andere Rolle ein. Aus meiner Sicht ergibt sich da immer ein großer Kontrast.
Was nehmen Sie Positives aus der Bundesliga Saison mit ins Turnier?
Viel Gutes. Ich behaupte mal, dass ich eine gewisse Leichtigkeit mitbringe. Mein Ziel ist es, auf jedes Spiel voll fokussiert zu sein und alles reinzuwerfen. Ich will das Turnier einfach mitgestalten und mir darüber hinaus gar nicht so viele Gedanken machen.
Wie sehen Sie Ihre Rolle im Nationalteam?
Von bis – da ist hier alles möglich. Ein Turnier ist immer ein sehr schnelllebiges Geschehen. Ich habe es bei der Heim-EM im vergangenen Jahr selbst hautnah erlebt. Sei es durch Verletzungen, sei es durch die Leistungen, sei es durch irgendwelche taktischen Feinheiten – es kann ganz schnell von 60 Minuten auf Null und wieder hoch auf 60 gehen. Ich möchte jetzt schlicht und ergreifend die Rolle, die ich bekomme, annehmen und für die Mannschaft nutzen. Und da ist es egal, ob ich eine Minute spiele oder 60.
Was erwarten Sie von der Zeit in Silkeborg und im Spielort Herning?
(lacht) Mit der MT war ich schon mal in Silkeborg. Da haben wir eine schöne Bruchlandung hingelegt. Ich hoffe, dass es mit der Nationalmannschaft nun besser läuft und wir dort eine erfolgreiche und angenehme Zeit haben werden.
Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrem Team?
Wir wollen begeisternden Handball zeigen und die Zuschauer in der Arena sowie daheim vor den Fernsehgeräten mitnehmen. Die Menschen sollen nach der WM sagen können: Die Jungs haben alles dafür getan, um so weit wie möglich zu kommen. Wenn wir dann den Respekt des Publikums spüren, dann können nicht viel falsch gemacht haben.
Was macht das deutsche Team stark?
Ich finde, dass wir einen ausgeglichen besetzten Kader haben. Jeder Spieler kann bei uns den Unterschied machen. Und von der Altersstruktur haben wir ungemein viel Potenzial. Die Fans können sich auf ein Team freuen, das immer weiter zusammenwächst und in der Zukunft noch viel von sich reden machen wird.
INTERVIEW: BJÖRN MAHR