Er spielt gerne gegen München: Augsburgs Anrei Hakulinen (weißes Trikot). © IMAGO
München – Christian Winkler, der Sportchef beim EHC Red Bull München, war vor Beginn dieser Saison gebeten worden, das Team in der Deutschen Eishockey Liga zu benennen, von dem er die größte tabellarische Verbesserung erwartete. Er nannte die Augsburger Panther – und das erschien keine verwegene Prognose zu sein. Der AEV, eines von nur noch fünf verbliebenen Erstmitgliedern der 1994 gegründeten DEL, hatte offenbar aus Platz 14 in den vorangegangenen beiden Spielzeiten gelernt und sich professioneller aufgestellt: Die Positionen von Trainer und Sportdirektor, in schwäbischer Sparsamkeit stets von einem Mann in Personalunion versehen, wurden getrennt. Larry Mitchell, der schon einmal in Augsburg gewirkt hatte, sieben Jahre lang, und 2010 Vizemeister geworden war, wurde Sportdirektor, als Trainer holte er Ted Dent aus der American Hockey League. Der Start gelang, nach zehn Spielen und einem 4:2-Sieg in München stand Augsburg auf Platz fünf. Es klang nach Understatement, als Ted Dent sagte: „Wir müssen besser spielen.“
Wenn der EHC München am heutigen Donnerstag (19.30 Uhr) erstmals in dieser Saison in Augsburg antritt, ist bei den Panthern vieles wieder beim ungeliebten Alten: Sie stecken tief im Abstiegskampf, Ted Dent ist Vergangenheit, nachdem dem Triumph im SAP Garden zehn glatte Niederlagen (unter ihnen ein 2:3 beim zweiten Spiel in München) gefolgt waren – und an der Bande steht der Sportdirektor Mitchell. Offiziell interimistisch, doch ein neuer Trainer wird wohl nicht mehr kommen. Die Aufgabe: Entweder Düsseldorf oder Iserlohn müssen die Panther hinter sich lassen. Der Letzte läuft Gefahr, aus der DEL zu fliegen, weil es in der DEL2 fünf aufstiegsinteressierte Clubs gibt. Dresden (mit dem Ex-Münchner Danny Aus den Birken im Tor), Kassel, Krefeld, Rosenheim, Landshut, derzeit die Teams auf den Plätzen 1, 2, 3, 4 und 6. Einer von ihnen wird wohl Meister werden.
2023 und 24 drückte die Münchner Vereinsführung den Nachbarn die Daumen für den Klassenerhalt, denn für eine Zukunft im SAP Garden wollte man den AEV, der immer reichlich Anhang mitbringt, in der DEL wissen. Die Fankurve empfindet das anders: Für sie ist Augsburg alias „die Westvorstadt“ oder „die Datschis“ der Feind. Und bislang läuft der Garden grundsätzlich gut, unabhängig vom Gästeteam. Es bestätigt sich die Vorhersage von DEL-Chef Gernot Tripcke, die neue Halle sei ein „no brainer“, sie funktioniere von alleine. Braucht der EHC den AEV noch?
Vorige Saison verlor München drei der vier Derbys – obwohl Augsburg das schlechteste Team der Liga war. Diese Saison steht es 1:1, und die Form des AEV ist nicht schlechter. Aus den fünf Spielen 2025 holten beide Teams sieben Punkte. Das schönere letzte Ergebnis und Erlebnis hatten die Panther (2:1 nach Penaltyschießen gegen Frankfurt), auf der Münchner Seele lastet die Niederlage in Schwenningen, die sich im Schlussdrittel zum 0:6-Debakel auswuchs. Die Augsburger gönnen sich ein bisschen Zuversicht. „Gegen München haben wir immer gut gespielt“, sagt Stürmer Anrei Hakulinen, „es ist ein Heimspiel, es ist ein Derby, ich denke, wir haben gute Chancen, zu gewinnen.“
GÜNTER KLEIN