Die Rückkehr der Lebensversicherung

von Redaktion

Mit Nick Weiler-Babb finden die Bayern in Europa zu alten Qualitäten zurück

Da bin ich wieder: Nick Weiler-Babb. © Imago

München – In den Schlusssekunden zwang Nick Weiler-Babb auch den Allergrößten in die Knie. Monacos Mike James hatte sich diesen letzten Angriff geschnappt. Das lag nahe, kein Basketballer hat in der Euroleague mehr Punkte gesammelt als der US-Amerikaner. Doch wo immer James auch hinzuflitzen versuchte – Weiler-Babb war schon da. Bis die Schlusssirene das schwer erzitterte 95:94 des FC Bayern amtlich machte.

Klar, dass sich auch Trainer Gordon Herbert tief vor dem Rückkehrer verneigte: „Er ist der beste Allrounder, den wir haben“, schwärmte der Kanadier. In der Tat: In Spiel eins nach seiner knapp dreiwöchigen Verletzungspause zeigte Weiler-Babb alles, was ihn für die Bayern so wertvoll macht. Der Deutsch-Amerikaner ist Spielgestalter und Vollstrecker. Aber er ist eben auch die defensive Lebensversicherung seines Teams.

Ausgerechnet die Abwehr, unter den Vorgängern Andrea Trinchieri oder Pablo Laso stets die verlässlichste Größe, ist bei Herbert die große Schwachstelle. Mehr als 88 Punkte fing man sich in bislang 21 Saisonspielen durchschnittlich ein. Nur Alba Berlin und Maccabi Tel Aviv

Doch die Statistik zeigt einen feinen Unterschied: Mit Nick Weiler-Babb auf dem Feld kassierten die Münchner im Schnitt zehn Punkte weniger als ohne ihn. Oder man könnte es auch anders sehen. Mit dem 29-jährigen Alleskönner reicht Bayerns Gesamtpaket auch in Europa aus, um nun immerhin 12 Saisonsiege ins Ziel zu bringen. Wenn auch auffällig oft mit einer großen Portion Drama. Aber danach dürfte niemand mehr fragen, wenn es am Ende vielleicht wirklich zur dritten Playoff-Teilnahme in der Euroleague reichen sollte. Allerdings ist das Feld dicht wie selten – vor der Partie am Freitag gegen Virtus Bologna (20.30 Uhr/SAP Garden) sind Herberts Schützlinge vom Rang zwei genauso weit entfernt wie vom ersten Nicht-Playoff-Platz elf, genau einen Sieg.

Das verspricht einen heißen Endspurt. 13 Spiele stehen in dieser Hauptrunde noch aus. Davon immerhin sieben im heimischen SAP-Garden. Und das nagelneue Luxusquartier hat für die Bayern ja schon eine gewisse Magie entwickelt. Von bislang zehn Partien verloren sie nur eine – kurz vor dem Jahreswechsel gegen Panathinaikos Athen. Es winkt eine deutlich verbesserte Personalsituation. Im Moment muss nur Kapitän Vladimir Lucic passen und selbst der Serbe mit der Neigung zu ungewöhnlichen Verletzungen darf auf eine Rückkehr noch in diesem Monat hoffen.

Und wenn alle Stricke reißen, dann könnten die Bayern fürs Erste auch noch nachrüsten. Zwar erklärte Sportchef Dragan Tarlac zuletzt – wohl auch mit Blick auf den mäßig erfolgreichen Nachkauf Onuralp Bitim – man wolle dem bestehenden Personal das Vertrauen schenken. Doch bei möglichen neuen Verletzungen dürfte die sportliche Führung diesen Entschluss gewiss überdenken.
PATRICK REICHELT

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