Länger als eine Schwangerschaft

von Redaktion

Noch immer keine Entscheidung, wer den München Marathon ausrichtet

Großveranstaltung München Marathon. © dpa/Peter Kneffel

München – „Frühestens Ende Januar“, so das Kreisverwaltungsreferat München auf Anfrage unserer Zeitung, werden die „Bescheide mit den finalen Entscheidungen“ ergehen. Also wird es eher Februar – und der Konflikt vielleicht auf anderer Ebene noch fortgeführt. Die Vergabe des München Marathon am 12. Oktober 2025 zieht sich so lange hin, dass allmählich fraglich ist, ob das Rennen, einer der größten deutschen Stadtläufe, überhaupt stattfinden wird. Die Bewerbungsfrist ging vom 1. Februar bis 31. März 2024 – vor über neun Monaten war also schon Einsendeschluss. Doch die Vergabe dieser Sportveranstaltung dauert länger als eine menschliche Schwangerschaft.

Seit 2015 wird der Marathon ausgeschrieben, immer für zwei jährliche Austragungen. Drei Bewerber gibt es: Die von Gernot Weigl geführte München Marathon GmbH, die seit 25 Jahren ein verlässlicher Ausrichter ist; dann die Munich Athletics GmbH, hinter der der Verein LG Stadtwerke München steht, sie hat sich erstmals um den Marathon bemüht, um mit den Erlösen ihre Stadion-Leichtathletik zu finanzieren; der dritte Aspirant ist die Laufstatt Event GmbH, die erst am 8. Januar 2025 ins Handelsregister München eingetragen wurde – hinter ihr stehen Weigls ehemaliger Miarbeiter Tony Martic und Fabian Schäfer, früher bei der Messe München. Worin sich die Konzepte unterscheiden: Weigl und der dritte Bewerber Laufstatt wollen eine große, 42,195 Kilometer lange Runde durch die Stadt laufen lassen, die Stadtwerke zwei Halbmarathon-Runden mit Schwerpunkt im Englischen Garten – was die Läuferszene ablehnt.

Im Sommer 2024 hatte sich das KVR fast schon festgelegt – auf die Munich Athletics GmbH und das Zwei-Runden-Konzept. Weigl ging auf die Barrikaden, schaltete eine Rechtsanwaltskanzlei ein, ließ Gutachten über Läuferströme erstellen und startete eine Petition. Das KVR spricht von „neuen Erkenntnissen“, bezieht sich da allerdings auf einen zutage getretenen gravierenden Mangel seitens der „bisher erstplatzierten Munich Athletics GmbH“. Der liege, so das KVR am 9. Januar, „keine dem Zwei-Runden-Konzept entsprechende Genehmigung von der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung zur Nutzung des Englischen Gartens vor. Dies war aus den eingereichten Unterlagen zunächst nicht ersichtlich.“ Am 6. Dezember hatte das KVR der Munich Athletics GmbH mitgeteilt, dass sie sie vom Bewerbungsverfahren auszuschließen gedenke. Ab da wird‘s politisch – sogar landespolitisch.

Christian Hierneis, Landtagsabgeordneter der Grünen, richtete am 9. Dezember eine detaillierte Anfrage an die Staatsregierung. Die Schlösser- und Seenverwaltung untersteht dem Ministerium der Finanzen und für Heimat. Hierneis sagte gegenüber unserer Zeitung, er habe mit dem Marathon nichts zu tun und keine Präferenz, wer ihn ausrichten solle, es widerspreche allerdings „meinem Gerechtigkeitsempfinden“, wenn von einem neuen Bewerber die Vorlage eines Mietvertrags über zwei Jahre verlangt werde, die gar nicht beizubringen sei, weil immer nur die Genehmigung für ein Jahr erteilt werde. Hierneis räumt ein, mit Jacob Minah, Präsident der LG Stadtwerke und Geschäftsführer der Munich Athletics GmbH, telefoniert zu haben. Dahinter stecke kein parteipolitischer Antrieb. Allerdings: Grünen-Stadtrat Florian Schönemann ist aktiver Mittelstreckler bei der LG Stadtwerke.

Jacob Minah glaubt, es wäre alles geklärt, er sieht sich nach wie vor im Rennen, wird die Bewerbung für 2025 und 26 nicht zurückziehen. Am 3. Januar sagte er, er rechne mit „einem zeitnahen und positiven Bescheid“. Die KVR-Stellungnahme vom 9. Januar klingt jedoch nicht, als würde das so eintreten. Die Munich Athletics GmbH erfülle „die Anforderungen für die Durchführung des München Marathons nicht“. Das KVR beabsichtige deshalb, sie „aus dem öffentlich-rechtlichen Auswahlverfahren auszuschließen. Derzeit hört die Behörde alle drei Bewerbenden nochmals an“.

Gernot Weigl stellt sich, sollte er den Zuschlag doch noch bekommen, auf „rückläufige Teilnehmerzahlen. Die Läufer planen jetzt ihr Jahr, buchen Hotels und die Anreise. Sie entscheiden sich dann halt für Köln oder Frankfurt im Herbst 2025“. München steht derzeit nicht im Kalender. Grundsätzlich hält er es für ein Unding, dass der Marathon nur für zwei und nicht mindestens fünf Jahre vergeben wird. Es geht um Planungssicherheit und längerfristige Verträge mit Sponsoren. Und er findet, er habe auch ein moralisches Anrecht, weil er den München Marathon zur Marke machte. Sein Beispiel: „Das Tollwood in München gibt es seit 30 Jahren. Wenn eine andere Firma auf die Idee käme, so etwas auszurichten – würde man es dem bisherigen Veranstalter einfach wegnehmen?“
GÜNTER KLEIN

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