Liebe auf den zweiten Blick

von Redaktion

„Unglaubliche Aura“: Wie „Gladiator“ Mats Hummels Rom doch noch erobert hat

Alessio De Giuseppe, Reporter für DAZN. © IMAGO

Verstehen sich bestens: Mats Hummels und Roms Trainer Claudio Ranieri. © IMAGO

Hat sich in Rom durchgesetzt: Nach einem schwierigen Start ist Mats Hummels nun unumstrittener Stammspieler. © Solaro/AFP

Rom – Pantheon, Kolosseum, der Trevi-Brunnen – die Ewige Stadt Rom hat viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Geht es nach Trainer Claudio Ranieri, hat die italienische Hauptstadt seit neuestem eine weitere Attraktion im Angebot: Sie steht auf zwei Beinen, misst circa 1,91 Meter, kann im Stadio Olimpico bestaunt werden und hört auf den Namen „Mats Hummels“. „Ein Monument“ sei der frühere deutsche Nationalspieler, sagte Ranieri kürzlich: „Und für mich unverzichtbar.“

Hummels und die AS Rom – es ist Liebe auf den zweiten Blick. Nach einem holprigen Start ist der Rio-Weltmeister bei den Giallorossi („Die Gelb-Roten“) vom Bankdrücker und vermeintlichen Transferflop zum Leistungsträger und Stammspieler aufgestiegen. Ein Happy End, das sich lange Zeit nicht wirklich abzeichnete. „Italien ist stolz, einen Spieler wie Hummels in der Serie A zu habe“, schwärmt auch der italienische DAZN-Reporter Alessio De Giuseppe im Gespräch mit unserer Zeitung. „Zu Beginn war er physisch aber noch nicht in einem Topzustand“. Die Folge: Hummels wird von Ex-Trainer Ivan Juric lange links liegen gelassen. In Italien habe sich daher schnell der Eindruck verfestigt, der 36-Jährige sei am Ende seiner Karriere nur deshalb in den Süden gewechselt, um „Vacanze romane“ zu machen, wie De Giuseppe erklärt. Also Urlaub in Rom. Und statt die Zweifel an seiner Person zu zerstreuen, verstärkt sie Hummels dann sogar noch. Als er Ende Oktober beim Auswärtsspiel in Florenz endlich sein Debüt feiern darf, trifft er per Eigentor zum 1:5-Endstand ins Netz. Der Tiefpunkt.

„Es war eine ungewöhnliche Situation, in meiner 18-jährigen Karriere habe ich immer meinen Wert gezeigt, auch bei wichtigen Spielen“, sagte Hummels der römischen Tageszeitung „Il Messaggero“: „Es war ein Moment, in dem alles schief lief.“ Juric, mit dem er einen respektvollen Umgang pflegte, habe ihm aber „keine Chance gegeben, zu spielen.“

Doch der ist dann doch schnell Geschichte. Nur ein paar Wochen später wird der Kroate gefeuert. Trainerlegende Ranieri übernimmt die Roma. Und der Italiener lässt, anders als Juric, keine intensive Manndeckung über den gesamten Platz spielen – und setzt deshalb auf Hummels, dem das entgegenkommt und fortan seine bekannten Stärken voll ausspielen kann. In sechs von sieben Spielen stand der Ex-Dortmunder seither in der Liga in der Startelf. Seitdem habe sich die Defensive stark verbessert, sagt De Guiseppe. „Hummels strahlt eine unglaubliche Aura aus. In der Kabine ist er schon jetzt ein Anführer“, schwärmt der Reporter, der wie seine Kollegen vom Deutschen begeistert ist. „Jeder hier in Italien ist der Meinung, dass er einer der besten Verteidiger ist, der in den letzten Jahren in der Serie A gespielt hat.“

Hummels sei als „Verteidigungsprofessor“ angesehen, schwärmte die „Gazzetta dello Sport“. Er sei „ein Gladiator“ der Mannschaft. Der auch am heutigen Freitagabend (20.45 Uhr) gegen Genua wieder in der Startelf stehen dürfte. Und darüber hinaus? Laut italienischen Medienberichten wollen die Römer das Arbeitspapier des Innenverteidigers verlängern. Hummels kann sich ein Verbleib gut vorstellen. Sieht so aus, als bliebe das Monument noch etwas länger in Rom.
JOHANNES OHR

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