Nase trifft auf Handschuh: Der Münchner Johansson begegnet dem Augsburger Baptiste. © Red Bull/City-Press
Augsburg – Dieses Eishockeyspiel hatte den Sound eines Krimis. Denn in Augsburg wird, wenn die Schiedsrichter eine strittige Szene in der Videoaufzeichnung überprüfen, gute alte Fernsehmusik eingespielt. Zum Beispiel die Melodie aus dem „Tatort“. Und auch abgesehen von der tonalen Begleitung war das Derby zwischen den Augsburger Panthern und dem EHC Red Bull München eine hochspannende Angelegenheit mit wechselnden Führungen. Die finale hatte München, 15,8 Sekunden vor dem Ende erzielte Chris DeSousa das 5:4 für den EHC. Den Fall mit Glück gelöst, drei Punkte mitgenommen. Trainer Max Kaltenhauser: „Ein wilder Ritt.“
Die Münchner standen nach dem 0:6 von Schwenningen unter Druck, ihr Sportchef Christian Winkler musste zugeben, „dass wir den Erwartungen hinterherhinken“ und forderte, „dass wir Konstanz in unser Spiel und die Ergebnisse bringen“. Die personelle Situation hatte sich gestern etwas aufgehellt: Mathias Niederberger kehrte nach zwei Spielen Pause wegen einer leichten Verletzung ins Tor zurück. Aber: Ihm ging es wie am Sonntag seinem Vertreter Simon Wolf: Er kassierte Tore – zunächst ohne dass seine Mannschaft kontern konnte.
Der EHC geriet 0:2 in Rückstand, fing drei Sekunden vor Ablauf eines Unterzahlspiels einen Treffer des Augsburger Goalgetters Nick Baptiste (9.) und einen Konter, den Busdeker zum 2:0 für die Panther an Niederberger vorbei abfälschte. Das Team von Trainer Max Kaltenhauser schaffte aber noch im ersten Drittel den Anschluss, Varejcka vollendete eine schöne Kombination. Bis dahin hatte der Augsburger Torhüter Strauss Mann alles wegfischen können.
Der EHC schien dann in Fahrt zu kommen, ihm gelang nach langer Zeit mal wieder ein Powerplay-Tor (Chris DeSousa, 26.), kurz darauf (28.) legte Jonathon Blum das 3:2 nach. Als Emil Johansson sich hinten in einen Augsburger Schuss warf, feierten ihn die Mitspieler demonstrativ, als gelte es zu zeigen, dass es keine teaminternen Verstimmungen gibt.
Bis dahin hatte es zwei Videobeweisszenen gegeben, beide endeten zugunsten Münchens, das schwäbische Publikum war aufgeladen – und das übertrug sich auf die Mannschaft. Trevelyan in Überzahl (36.), Schemitsch mit einem nicht sehr festen Rückhandabschluss (39.) – plötzlich führten die Panther 4:3. Will Butcher mit dem erfolgreichen Schlenzer zum 4:4 (51.) brachte das Spiel für München noch Richtung Wende.
GÜNTER KLEIN