Gewann beide Einzel in dieser Saison: Die Französin Lou Jeanmonnot. © Hoppe/dpa
Franziska Preuß bedankt sich nach ihrem zweiten Platz bei „ihrem“ Publikum. © Hoppe/dpa
Ruhpolding – Es bahnt sich ein Zweikampf im Biathlon-Weltcup bei den Damen an. Die beiden besten des Winters machten auch am Donnerstag im Einzel über 15 Kilometer in Ruhpolding den Sieg unter sich aus. Am Ende musste sich Lokalmatadorin Franziska Preuß der Französin Lou Jeanmonnot geschlagen geben. Ihrer Freude tat das keinen Abbruch.
„Es ist ein schöner Tag“, sagte die 30-Jährige und immer noch Gesamtweltcup-Führende freudestrahlend. Sie schläft während der Wettkampfwoche zuhause in ihrem Haus nahe Ruhpolding. „Wenn man daheim im gewohnten Umfeld ist, ist die Anspannung nicht so groß, wie im Hotel“, sagte Preuß, die weiß, was sie braucht, um ihre beste Leistung abzurufen.
Knackpunkt ihres Rennens war das letzte Schießen. Sie wollte auf der Strecke wenige Informationen von den Trainern, wollte bei sich bleiben. Trotzdem wusste sie, dass sie bis zu diesem Zeitpunkt mit nur einem Fehler „auf alle Fälle vorne dabei“ war. Auf der Strecke machte sie sich selber Mut, hat zu sich selbst gesprochen: „Ich habe so oft Null auf diesem Stand geschossen, ich kenn hier jede Schießbahn, ich schaff des.“ Dann traf sie die ersten vier souverän, vor dem letzten Schuss setzte sie kurz ab und versenkte aber schließlich auch den. Das Podium war ihr sicher.
Lediglich die fehlerfreie Jeanmonnot fing Preuß ab. Obwohl die Ruhpoldingerin ob des Fehlers eine Strafminute oben drauf bekam, betrug der Abstand zu ihrer ärgsten Konkurrentin im Gesamtweltcup am Ende nur 35 Sekunden. Am Sonntag (15 Uhr/ARD und Eurosport) im Massenstart könnte es zum nächsten Showdown der beiden kommen – dann im direkten Duell. Die Französin sagte, sie wäre glücklich mit Preuß eine so starke Kontrahentin zu haben: „Ich glaube, dieser Kampf hilft mir dabei, besser zu werden, weil es so oft so knapp zu geht – und das auf wirklich hohem Niveau.“
Nach Preuß klafft eine größere Lücke zu den nächsten DSV-Skijägerinnen. Stefanie Scherer holte bei ihrem Weltcup-Comeback nach fünf Jahren erstmals Punkte (Platz 23). Auch für die 28-Jährige war der Wettkampf quasi vor der Haustür. „Ich habe in den letzten Jahren schon immer mitbekommen, was hier in dem Dorf die ganze Woche los ist. Da ist es schon immer mein Traum gewesen, da mal laufen zu dürfen.“ Einen Platz dahinter blieb Selina Grotian (3 Fehler; +3:36,1 Minuten) unter den Erwartungen. Sie tat sich insbesondere beim letzten Stehendschießen schwer, rutschte auf den laut ihr leicht vereisten Matte und schoss zwei Fehler, die ein Top-Resultat verhinderten. Sophia Schneider (4/+5:21,2) und die nach Erkrankung zurückgekehrte Vanessa Voigt (3/+6:11,3) landeten außerhalb der Punkte.
Die 19 Jahre alte Julia Tannheimer war als Vorsichtsmaßnahme wegen eines leichten bronchialen Infekts kurzfristig geschont worden. Auch die Norwegerin Ingrid Landmark Tandrevold, die vor rund einem Monat eine Herz-OP hatte und vergangene Woche in Oberhof ihr Comeback gab, war nicht dabei. Sie will nächste Woche in Antholz wieder starten.
Die größte Überraschung des Tages gelang der Schweizerin Amy Baserga mit Rang drei. Es war das erste Karriere-Podium der 24-Jährigen in einem Einzel-Rennen. Nach der guten Leistung mit Rang vier in der Single-Mixed-Staffel in Oberhof hofft auch die Trainerin der Schweizerinnen Sandra Flunger auf einen Effekt für die Heim-WM in der Lenzerheide.
ALEXANDER VORMSTEIN