Ballkünstler gesucht: Keine Neuzugänge, viele Verletzte und Gesperrte – Giannikis muss sich was einfallen lassen. © IMAGO
München – Saarbrücken, ausgerechnet jetzt. Inmitten von Transfer-Stillstand, Trainerdiskussion und Personal-Engpass gibt es aus 1860-Sicht sicher 18 Gegner, bei denen man zum Rückrundenstart lieber antreten würde. Zur Erinnerung: Das Hinspiel verloren die Löwen mit 0:1 (eine von sechs Liga-Pleiten daheim), und auch sonst ist die Bilanz gegen den Relegationsgegner von 2018 ausbaufähig. Von neun Vergleichen in der 3. Liga gewann der FCS fünf – bei drei Unentschieden und einem Löwen-Sieg. Ausgerechnet Maurizio Jacobacci holte den, der Vorgänger von Argirios Giannikis. Nicht ohne Grund firmiert Saarbrücken im Umfeld der Sechzger als Angstgegner. Und was die Aufgabe am Samstag noch undankbarer Macht: Saarbrücken steht auf Platz drei, hat das letzte Punktspiel Ende September verloren (1:4 in Cottbus). Überspitzt ausgedrückt: Die Saarländer, damals noch Tabellennachbar von 1860, haben seit Oktober jene Entwicklung genommen, von denen bei Giannikis nur in Fantasie-Rechenspielen die Rede ist.
Nur Jacobacci schaffte einen Sieg gegen Saarbrücken
Selbst wenn man alles Negative ausklammert, wie der 1860-Coach das gerne macht, reisen seine Löwen am Samstag als Außenseiter nach Saarbrücken, das die beste Abwehr der Liga stellt (18 Gegentore) und nur das Problem hat, zu wenig Tore zu schießen: 24 – weniger als Sechzig (29). Vielleicht auch deswegen sammelt der Pokal-Halbfinalist von 2024 zu viele Unentschieden – ein Ergebnis, das die auswärtsstarken Löwen diesmal ausnahmsweise unterschreiben würde, wie Giannikis unter der Woche andeutete.
Doch was, wenn es am Samstag erneut schiefgeht, wenn sich die Niederlagenserie im neuen Jahr fortsetzt? Den besten Zeitpunkt für einen Trainerwechsel haben die Löwen verpasst, ähnlich wie 2022/23, als Günther Gorenzel mit dem angezählten Michael Köllner in die WM-Pause ging – um ihn nach dem dritten Spiel im neuen Jahr doch vor die Tür zu setzen. Giannikis, der Stoiker, vermittelte auch am Donnerstag den Eindruck, als sei seine Position bei 1860 durch nichts zu erschüttern, vielleicht auch, weil das Team jedes Mal lieferte, wenn im Umfeld ein „Endspiel“ ausgerufen wurde. Dieses Mal jedoch: Sportchef Christian Werner hat früh Abstiegs-Alarm ausgerufen, auch der Blick von externen Experten wie Christian Straßburger (MagentaSport) ist Giannikis-kritisch. Es wäre nicht die größte Überraschung, wenn die Löwen doch irgendwann ins Handeln kämen. Zumal jetzt – anders als früher – angesehene Soforthelfer bereitstünden. Einer der Topkandidaten: Drittliga-Rekordtrainer Pavel Dotchev (59 Jahre), in Aue Anfang Dezember nach internen Querelen entlassen worden.
Rekordtrainer Dotchev auf dem Markt
Bei der Pressekonferenz am Donnerstag gab sich Giannikis siegesgewiss, ohne die tückische Ausgangslage im Abstiegskampf zu unterschätzen. „Die Sinne sind geschärft“, sagte er, „wir sind wachsam.“ Gefragt, ob ihn die Geduld der Verantwortlichen verwundere, sagte er: „Wir sind intern im ständigen Austausch, und wenn man ehrlich und wertschätzend miteinander umgeht, dann wundert es mich nicht, dass die besprochenen Sachen eingehalten werden – und dass wir den Weg gemeinsam weitergehen.“
ULI KELLNER