Russland-Rückkehr?

von Redaktion

Der Biathlon-Sport setzt Zeichen gegen eine Begnadigung für Olympia 2026

Oberhof: Dmytro Pidrutschnji, Tarje Boe. Sturla Holm Laegreid, Johannes Thingnes Boe, Eric Perrot und Quentin Fillon Maillet (v. li.) halten gemeinsam die Flagge der Ukraine hoch. © IMAGO/Herbst

Ruhpolding – Schon der Gedanke an die Rückkehr eines russischen Teams löst bei den besten Biathleten der Welt großes Unbehagen aus. „In der jetzigen Situation ist es wichtiger, Unterstützung für das ukrainische Volk zu zeigen anstatt für die russischen Sportler“, sagte Weltmeister Sturla Holm Laegreid aus Norwegen. Staffel-Olympiasieger Sebastian Samuelsson aus Schweden findet es „irritierend“, solche Pläne überhaupt schon ins Spiel zu bringen, wenn Russland weiterhin einen Krieg führt.

Solange der Angriffskrieg in der Ukraine weitergeht, ist es in den meisten Sportarten ausgeschlossen, dass Athletinnen oder Athleten aus Russland und Belarus unter eigener Flagge wieder an Wettbewerben teilnehmen. Die Weltverbände haben die nationalen Verbände suspendiert.

Die Internationale Eislaufunion lässt Russinnen und Russen für die Olympia-Quali im Eiskunstlauf, Eisschnelllauf und Shorttrack allerdings unter Auflagen schon wieder zu. Eine Teilnahme ist den Angaben zufolge an Auflagen geknüpft. So sollen öffentliche Äußerungen und Auftritte mit Blick auf den Krieg geprüft werden.

Andere Verbände könnten folgen. So scheint es möglich, dass bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo wieder eine Mannschaft dabei ist, die nach einem besonderen Auswahlprozess unter neutraler Flagge antreten darf.

Beim Biathlon-Weltverband IBU ist noch kein Prozess in Gang gesetzt worden, neutrale Athleten zuzulassen. Das sei bislang kein Thema gewesen, ist von mehreren Funktionären zu hören. Gerade unter den Wintersportarten hat Biathlon in Russland eine lange Tradition, aufgrund des Mitführens einer Waffe ist aber auch die Außenwirkung besonders heikel. Während es unter den aktiven Skijägern keine Fürsprecher für Russland gibt, ist die Hilfe für die Ukraine umso größer.

„Wir sammeln Geld für Luftschutzbunker für Kinder“, sagte Laegreid. Bei der WM in der Schweiz im Februar werden unter Führung des Ukrainers Dmytro Pidrutschnji die Startnummern-Leibchen versteigert, der Erlös geht direkt in die Ukraine. Der 27-jährige Laegreid initiierte zuletzt beim Weltcup in Oberhof eine viel beachtete Aktion, als er sich gemeinsam mit seinem Team und Pidrutschnji mit dessen Landesflagge zu einem Foto aufstellte.

„Wir sind eine Familie im Biathlon und wir wollen unsere Unterstützung für Pidrutschnji und die Ukrainer zeigen. Wir stehen an ihrer Seite“, sagte Laegreid. Der 33-jährige Pidrutschnji war zu Beginn der russischen Invasion selbst im Kriegsdienst und half bei der Verteidigung des Landes. Mittlerweile kann er sich wieder auf seinen Sport konzentrieren. Eine Rückkehr von Russinnen oder Russen in die Loipe und an den Schießstand lehnt er natürlich kategorisch ab.

Bei den vergangenen Sommerspielen waren 15 russische sowie 16 belarussische Sportlerinnen und Sportler unter neutraler Flagge dabei. „Man hat dort gesehen, dass dieses Konzept der unabhängigen, neutralen Athleten funktioniert hat. Es ist akzeptiert worden von der gesamten Welt“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach: „Alle Athleten haben friedlich zusammengelebt im olympischen Dorf. Selbst, wenn ihre Länder sich im Krieg befinden. Und ich hoffe, dass sich die Wintersportverbände dieses eben auch genau anschauen.“ Wie schon in Paris sind die Weltverbände mit ihren Gremien dafür verantwortlich, ob neutrale Athletinnen und Athleten zugelassen werden.
DPA

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