ZUM TAGE

Der DFB beweist Weitblick

von Redaktion

Nagelsmann verlängert bis 2028

Gianni Infantino (FIFA), Aleksander Ceferin (UEFA), Olaf Scholz. Die Liste der Gastredner war so lang wie prominent, als der deutsche Fußball am Freitag nach Leipzig lud. Anlass des A-Promi-Aufmarschs war das 125-jährige Bestehen des noch im Deutschen Kaiserreich gegründeten DFB. Gemeinsam sollte nicht nur die ruhmreiche Geschichte des Verbandes gefeiert werden. Nein, der DFB hatte sich für diesen Abend einen zusätzlichen Knalleffekt ausgedacht: Julian Nagelsmann, einer der Podiumsgäste, kam direkt von seiner nächsten Vertragsverlängerung. Er bleibt nicht nur bis zur Übersee-WM 2026 Bundestrainer, sondern noch zwei Jahre länger – bis zur EM 2028 im Vereinigten Königreich.

Bereits am Vormittag war bekannt geworden, dass Nagelsmann (37) dem DFB länger als erwartet die Treue halten will. Bereits im Sommer, nach dem bitteren Viertelfinal-Aus bei der Heim-EM, hatte er seinen Ehrgeiz mit dem Nationalteam angedeutet: „Es tut weh, dass man jetzt zwei Jahre warten muss, bis man Weltmeister wird.“ Am Freitag fügte er hinzu: „Wir haben alle zusammen etwas geschaffen, das wir jetzt erfolgreich weiterentwickeln wollen. Wir wollen zusammen Titel gewinnen.“

Grundsätzlich ist das ein lobenswerter Ansatz. Keiner, dem die DFB-Elf am Herzen liegt, wird sich gegen eine Erweiterung der Titelsammlung wehren. Anerkennenswert ist zudem, dass es dem DFB gelungen ist, dem Vereinstrainermarkt einen jungen, begehrten Fußballlehrer zu entziehen, der mit seiner smarten Art für jeden Topclub interessant ist. Trotzdem stellt sich die Frage, ob es nun klug oder überstürzt vom DFB war, sich personell so früh festzulegen, wo man doch weiß, welche Eigendynamik jedes große Fußballturnier entwickeln kann. Nicht immer dürfte ein frühes Aus so gefeiert werden wie bei der Neuauflage des Sommermärchens (EM 2024). Und wenn man mal zehn Jahre zurückdenkt: Löw selbst sagt, es wäre nach dem WM-Titel in Rio schlauer gewesen, als Bundestrainer aufzuhören. Die Erfahrung lehrt: Stimmungen, die mit Deutschlands Vorzeigemannschaft zu tun haben, sind weder plan- noch berechenbar.

Am Ende ist die Nagelsmann-Verlängerung wohl auch eine pragmatische Entscheidung. Jürgen Klopp, der ewige Wunsch-Bundestrainer, hat sich gerade erst in eine neue Aufgabe gestürzt, und Red Bull machte frühzeitig klar, seinen „Head of Global Soccer“ nicht schon 2026 wieder abgeben zu wollen. Man muss das ganz nüchtern sehen: Ein Verband, der dann bereits Nagelsmann unter Vertrag hat, ist besser dran als einer, der sich nach der WM neu aufstellen muss. Oder der unter Zeitdruck eine Übergangslösung finden muss, bis es mit Klopp vielleicht doch mal matcht. Wenn es nicht insgeheim schon so für 2028 verabredet ist. Und sollte Nagelsmann 2026 Weltmeister werden, wie er das geplant hat, dann sind eh alle happy. Auch wenn er nach der WM – anders als Löw 2014 – auf dem Höhepunkt abtreten sollte.

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