Guter Auftritt in Berlin: Maxi Daubner, Nico Krämmer. © Red Bull/City-Press
Befreites Lächeln an der Bande: Rückkehrer Jackson mit Assistent Ben Smith. © Red Bull/City-Press
Das war sein Abend: Don Jackson wurde in Berlin in großem Stil geehrt. © Red Bull/City-Press
Berlin/München – Don Jackson, der Profi. So rührend das alles war, was sich am Donnerstagabend in Berlin abspielte – ab dem Moment, in dem der Puck eingeworfen wurde, drängte er alle Emotionen zurück und war der auf seine Aufgabe fixierte Coach. Und als er sein Ziel erreicht hatte, das Spiel bei den Eisbären mit 3:2 nach Penaltyschießen zu gewinnen, und einen kurzen Glückwunsch mit seinen Assistenten Ben Smith und Pierre Allard austauschte, bemerkte er, „dass ich kein einziges Mal nach oben geschaut habe“. Unterm Dach der Berliner Uber-Arena, in der Don Jackson von 2007 bis 2013 als Eisbären-Trainer gewirkt und fünf Deutsche Meisterschaften gewonnen hatte, hing frisch platziert ein Banner, das an diese Ära erinnerte.
Die Zeremonie stand schon länger im Kalender, nicht geplant war, dass Don Jackson an diesem Abend wieder ein aktiver Trainer sein würde mit seinen 68 Jahren und einer 2023 für beendet erklärten Coaching-Karriere. Doch in München nahmen die Dinge nach der 1:4-Niederlage und der Auszeit von Max Kaltenhauser Fahrt auf – und so ergab sich die einmalig kuriose Situation, dass der Geehrte, als ihm noch die Augen schimmerten, zum Gegenspieler wurde. Er löste sich aus der freundschaftlichen Umarmung mit Eisbären-Manager Peter John Lee, der ihn vor 20 Jahren „nach Berlin eingeladen hatte“, und coachte den EHC Red Bull. In dessen Clubjackett, mit dessen Logo auf dem Pin am Revers.
Die Ehrung davor war großes Brimborium. Wie schon zu Jacksons 1000. DEL-Spiel in München war die komplette Familie eingeflogen worden, die Enkelkinder tollten übers Eis. Es wurden Filme eingespielt, in denen ehemalige Berliner Schützlinge Jackson rühmten, dann hielt der Trainer selbst eine Rede, die er auf Deutsch begann („Guten Abend zusammen“). Die Anekdoten aus den Eisbären-Jahren erzählte er auf Englisch, das DEL-Spiel begann leicht verspätet, nachdem zu heroischer Musik und flankiert von einem Indoor-Feuerwerk das Banner hochgezogen worden war.
Jacksons Menschlichkeit, sein Vertrauen in die Spieler, seine Geduld – all das war betont worden von den Berliner Nostalgikern, und all das soll er in den verbleibenden Wochen (oder doch Monaten?) der Saison in München einbringen. Das Spiel lief schon mal ganz gut, der EHC machte einen 0:1-Rückstand wett, glich durch Daubner sogar in eigener Unterzahl aus, erzielte durch Yasin Ehliz listig das 2:1 und war bei den Penaltys dank Chris DeSousas erfolgreichem Abschluss besser. München hatte sogar die größeren Chancen, in der Overtime traf Taro Hirose aus schwerer Bedrängung heraus die Latte. München spielte giftig und strukturiert, allerdings hatte es unter Kaltenhauser in Berlin (EHC-Sportchef Christian Winkler: „Bestes Team der Liga“) kürzlich sogar 4:1 gewinnen können. Was fehlte: Konstanz. Selten bestätigte der EHC eine starke Leistung im nächsten Spiel. Also muss man auch bei Don Jackson abwarten: Wie wird es am Sonntag (16.30 Uhr) in Wolfsburg sein, wie am Dienstag in Köln?
Was Jackson mitbringt: Aura. „Wenn er einen Raum betritt, dann füllt er ihn“, beschreibt Winkler die Wirkung. Mit einem Großteil der Spieler ist der 68-jährige Coach vertraut. Sein System des Forechecking mit zwei Mann steckt noch in der Mannschaft, obwohl der EHC variabler und moderner spielen wollte. Jetzt gelten wieder die alten Muster, die häufig funktioniert haben. „Wir wollen nicht rückwärts laufen, sondern angreifen“, erklärt Kapitän Patrick Hager. In Berlin habe man gute Momente „aus unserer Struktur heraus“ kreiert. „Natürlich“, sagte er bei MagentaSport auf die entsprechende Frage, habe der Kader das Potenzial, Meister zu werden, „wir wissen, wen wir in der Kabine haben“. Den Titel als Ziel hat auch Don Jackson ausgegeben. Es ist vielleicht nicht mehr ganz realistisch für diese in die Jahre gekommene Mannschaft, aber er hat es verinnerlicht, den höchsten Anspruch zu haben. Red Bull will das auch so hören, und Jackson sagt es. Da ist er Profi.
GÜNTER KLEIN