Stürze überschatten Odermatt-Sieg

von Redaktion

Dauergefahr auf der Steif – Pinturault mit Helikopter geborgen

Super-G-Sieger: Marco Odermatt (l.) gewinnt erstmals ein Rennen auf der Streif. Teamkollege Stefan Rogentin feiert seinen dritten Platz. © Klamar/AFP

Zwei Franzosen mussten mit dem Hubschrauber abtransportiert werden. © Groder/AFP

Nicht nur Alexis Pinturault ist beim Super-G in Kitzbühel schwer gestürzt. © Klamar/AFP

Kitzbühel – Schon im Super-G von Kitzbühel ist es zu schweren Stürzen gekommen. Der einstige Weltcup-Gesamtsieger Alexis Pinturault musste mit dem Helikopter weggeflogen werden. Der französische Skirennfahrer verdrehte sich bei dem Unfall das Knie. Eine Diagnose nach Pinturaults Sturz gab es zunächst nicht. Im Ziel der legendären und berüchtigten Streif wartete Pinturaults Frau Romane mit der gemeinsamen Tochter auf dem Arm auf den Papa – als dieser stürzte, schlug sich seine Ehefrau erschrocken die Hand vor den Mund. Der 33-Jährige hatte sich erst in der Vorsaison bei einem Sturz in Wengen das Kreuzband gerissen und dann in diesem Winter sein Comeback gegeben.

„Das schmerzt extrem, wenn man Alexis‘ Geschichte ein bisschen kennt“, sagte der Schweizer Marco Odermatt, dessen Prämierensieg auf der Streif dadurch etwas in den Hintergrund gerückt war, im ZDF. „Er ist einer der Nettesten auf der Tour. Ich wünsche ihm nur das Beste – aber das hat nicht gut ausgesehen.“ Wie der französische Skiverband am Freitagnachmittag mitteilte, habe der dreimalige Weltmeister und Gesamtweltcupsieger von 2021 im rechten Knie eine schwere „Knochenprellung des inneren Schienbeinplateus mit einer damit verbundenen Fraktur sowie eine Verletzung des Innenmeniskus“ erlitten. An der Unfallstelle bei einer Linkskurve auf der Höhe der Seidlalm erwischte es auch Pinturaults Teamkollege Florian Loriot, der ebenfalls mit dem Hubschrauber weggebracht wurde.

Das Thema Sicherheit stand – wie jedes Jahr – in Kitzbühel besonders im Fokus. Fahrer, Offizielle und Experten rätseln, wie der Rennsport ungefährlicher gemacht werden kann. Der Rettungshubschrauber war in den letzten Jahren auf der Steif im Dauereinsatz. Diesmal musste er schon beim Training am Mittwoch aufsteigen und unter anderem Jacob Schramm vom Berg holen: Der Oberfranke zog sich in beiden Knien Kreuzbandrisse zu. Allein die Abfahrer zählen bereits zwei Dutzend Verletzte seit Saisonstart. Der deutsche Cheftrainer Christian Schwaiger ist einer derer, die sagen, das das „komplexe“ Gesamtpaket aus Pistenverhältnissen und Material „nicht funktioniert. Mittlerweile ist der Grenzbereich erreicht, wenn nicht überschritten.“

Der letzte Schrei sind sogenannte Carbon-„Stutzen“. „Die sind wie Socken aus festem Material, die auch die geringste Bewegung des Fußes im Skischuh verhindern“, erklärt der österreichische Ex-Weltmeister Hannes Trinkl. Spitzenfahrer könnten damit „unglaubliche Linien fahren, aber mit so einem Setup bewegt man sich in Wirklichkeit jenseits von Gut und Böse“.

Das Problem: Erst am Rande der WM in Saalbach-Hinterglemm (4. bis 16. Februar) soll es einen Runden Tisch geben, einen weiteren beim Weltcup-Finale im März in Sun Valley. Für Kitzbühel kommt derlei zu spät. Auf der Streif, von oben bis unten abgesichert mit Kilometern von Netzen und Planen, lauert die Gefahr nahezu überall. Am Samstag (11.30 Uhr/ZDF und Eurosport) steht auf der Streif die Abfahrt an.

Dann gilt Dominator Odermatt, der am Freitag erstmals ein Rennen in Kitzbühel gewonnen hat, wieder als Favorit. „Ein großes Ziel ist erreicht, aber ein größeres ist es, die Abfahrt zu gewinnen“, so der Olympiasieger. Doch im Super-G war es knapp: Odermatt lag zunächst klar in Führung, ehe ihm unerwartet der Österreicher Raphael Haaser (+0,11 Sekunden) noch sehr nahe kam. Der Schweizer Stefan Rogetin (+0,30) landete auf Platz drei. Und die Deutschen? Nach den vielen Sturz-Unterbrechungen holten sie bei verschlechterten Bedingungen immerhin Weltcup-Punkte: Romed Baumann wurde 21. (+1,35), Luis Vogt 28. (+1,83).
SID/DPA

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