München – Wortgewaltig wie nie zuvor geben die Bundesliga-Schiedsrichter ab dem kommenden Wochenende den Ton an und rücken noch stärker als bisher in den Fokus. Am 20. Spieltag startet in ausgewählten Stadien des Profifußballs die Testphase mit Lautsprecher-Erklärungen der Referees nach Eingriffen der Video-Assistenten.
„Wir zahlen damit in das Thema Transparenz ein. Wir wagen nun einen ersten Schritt – und sind gut vorbereitet“, sagte Schiedsrichter-Chef Knut Kircher am Montag zu den gemeinsamen Plänen des DFB und der DFL nach dem Vorbild der US-Footballliga NFL: „Wir wollen die Zuschauer abholen, die im Stadion sind. Mit Blick auf die Nettospielzeit rechnen wir nur mit wenigen Sekunden – die werden nachgespielt.“
Die Testphase soll bis zum Ende der aktuellen Saison laufen. Dann wollen die Verantwortlichen die Ergebnisse prüfen. Getestet wird vorerst in neun Stadien (München, Dortmund, Frankfurt, Freiburg, Leverkusen, Leipzig, Düsseldorf, Fürth, St. Pauli) – analog zu den neun Mitgliedern der DFL-Kommission Fußball. Unter anderem der Weltverband FIFA hat in verschiedenen Wettbewerben bereits Testläufe durchgeführt. In Deutschland machen die fünf Partien Fortuna Düsseldorf – SSV Ulm, Bayern München – Holstein Kiel, FC St. Pauli – FC Augsburg, Eintracht Frankfurt – VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen – TSG Hoffenheim den Anfang.
Zur Einführung wird den Stadionbesuchern ein kurzer Videoclip gezeigt. In ihm wird erklärt, dass der Unparteiische zu Wort kommt, wenn er für eine Überprüfung am Monitor war oder wenn er eine Entscheidung aufgrund des VAR-Hinweises ändert. Der Referee wird dann per Knopfdruck sein Headset freischalten und über die Lautsprecher zu hören sein. Vereinheitlicht soll der Schiri über die betreffende Szene, das Ergebnis und die finale Entscheidung berichten.
Laut VAR-Chef Jochen Drees gibt es seit einem Jahr die Überlegungen hinsichtlich der Durchsage. Drees machte keinen Hehl daraus, dass nicht alle Schiedsrichter begeistert von der Neuerung waren. „Wir mussten Überzeugungsarbeit leisten – aber nun stehen alle Betroffenen dem Ganzen offen gegenüber“, sagte der Ex-Referee: „Es gehört ab jetzt zum Teil des Schiedsrichter-Profils.“
SID