„Wir wollen etwas bauen, etwas Großes erschaffen, das in Erinnerung bleibt“: Müller über seinen Job als LEGO-Trainer. © LEGO
München – Das Jahr 2025 hat für Thomas Müller verheißungsvoll begonnen. Zwei Mal stand der Routinier im Kader des FC Bayern in der Startelf – doch nun, wo Jamal Musiala wieder zurück und die Offensive von Vincent Kompany voll besetzt ist, ist er wieder in seiner alten Rolle. Exakt 14 Minuten Spielzeit sind für den 35-Jährigen aus der vergangenen Woche mit drei Spielen notiert worden, was aber nicht heißt, dass Müller an Wichtigkeit verloren hat. Steht er nicht auf dem Feld, gibt er bekanntlich zwischen Bank und Spielfeldrand alles. Müller ist der geborene Trainer – wie passend, dass er für die Zeit nach der Karriere auf diesem Gebiet bereits vorgesorgt hat. Zumindest im Spiel.
„Wir wollen etwas bauen, etwas Großes erschaffen, das in Erinnerung bleibt. Wir wollen Emotionen. Und wir wollen die Gedanken anregen. Denn Kreativität ist der Schlüssel zum Spaß“ – das sind die Worte, die am Montag von Müller verbreitet wurden, und zwar in neuer Funktion. Als LEGO-Trainer hat der Weltmeister angeheuert, im Rahmen der Kooperation soll er mit Kindern auf dem Rasen wie mit den bunten Bausteinen kreativ sein. Und der nächste Schritt in der Planung der aktiven Karriere war auch eine willkommene Gelegenheit, die Gedanken an das „danach“ kreisen zu lassen. Die Aussage im exklusiven Interview ist dieselbe, die Müller seit Wochen zum Besten gibt: „Erst mal ist mein voller Fokus auf dem Tagesgeschäft – im Hier und Jetzt. Wir sind in einer wichtigen Saisonphase. Also lasse ich mir gerade alles offen, und dann werden wir schon sehen.“ Aber Müller äußerte sich zwei Tage vor dem letzten Champions-League-Ligaspiel am Mittwoch (21 Uhr) gegen Bratislava ausführlicher – und schloss einen direkten Wechsel in die Führungsetage des FC Bayern aus.
„Sehr offen“ sei Müller, „was nach meiner Karriere passiert“, führte der Offensivmann aus. Und ohne ein Datum zu nennen – erst im Frühjahr will er gemeinsam mit dem FC Bayern entscheiden, ob er seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nochmal um ein Jahr verlängert –, plant er für die erste Zeit als Fußballrentner mit „ein bisschen Abstand und einem Schritt zurück. Ich will erst einmal für mich selbst herausfinden, was mir aktuell fehlt.“ Das könne „die tägliche Trainingsarbeit“ sein, „der Geruch des Rasens“ oder „einfach das Gesamterlebnis“. Sogar die Möglichkeit, nicht beim FC Bayern zu arbeiten, stellte Müller in den Raum: „Da gibt es ganz viele Möglichkeiten, die ich mir vorstellen kann, um Projekte, einzelne Vereine oder auch ganze Verbände nach vorne zu bringen. Ich lasse das ganz entspannt auf mich zukommen.“
Nicht ganz so entspannt blicken die Herren in der Führungsetage auf die Personalie, denn anders als bei der Generation vor Müller (Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm) soll es bei Manuel Neuer und Müller unbedingt gelingen, das Duo in exponierter Position beim Rekordmeister zu integrieren. Worte wie „ob ich irgendwann in einer offiziellen Funktion, in einer direkten Zusammenarbeit als Arbeitnehmer oder als Angestellter des Clubs arbeiten werde, das steht in den Sternen“ hört man da freilich nicht gern, intern ist man sich der Problematik der heutigen Zeit aber bewusst: Anders als einst Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Co. haben die Spieler heute bei Karriereende finanziell ausgesorgt. Um sich für einen Verein zu – verglichen mit der aktiven Zeit – geringen Bezügen zu zerreißen, muss eine Menge Herzblut dabei sein.
Müller immerhin sagt: „Fest steht, dass der Verein und ich unzertrennlich sind. Das ist gut so.“ Jetzt erstmal Trainer spielen – und dann: mal sehen.
H. RAIF, V. TSCHIRPKE, P. KESSLER