Vierkampf um die Schale

von Redaktion

Rückrunden-Start: Spannung statt Meister-Monotonie in Frauen-Bundesliga

Szene aus dem Hinspiel: Frankfurts Sara Doorsoun und Linda Dallmann vom FC Bayern München © IMAGO/Eibner

Titelverteidiger: Die Frauen des FC Bayern. Aktuell liegen sie mit Frankfurt und Leverkusen an der Tabellenspitze mit 29 Punkten. © IMAGO/Memmler

Stets zu Diensten: Neuzugang Cornelia Kramer ist Leverkusens beste Torschützin. © IMAGO

Köln/München – Davon kann die Männer-Bundesliga gerade nur träumen: Ein Vierkampf um die Schale sorgt für Hochspannung, nur ein Pünktchen trennt Platz eins und vier. In der Bundesliga der Fußballerinnen ist das derzeit Realität, es knistert gleich, wenn Spitzenreiter Eintracht Frankfurt zum Jahresauftakt den Verfolger Bayer Leverkusen empfängt. Auch die Bayern sind mittendrin.

„Es ist das Beste, was der Liga passieren kann“, schwärmte Eintracht-Trainer Niko Arnautis, „dass einige Teams um die Meisterschaft spielen.“ Seit 2013 schnappte sich schließlich immer nur der VfL Wolfsburg oder Bayern München den Titel. Und jetzt? Liegen Frankfurt, Titelverteidiger München und Leverkusen an der Spitze mit 29 Punkten gleichauf, nur einen Zähler dahinter lauern die Wölfinnen.

Die neue Breite an der Spitze gefällt auch den Protagonistinnen. „Jetzt ist es so, dass jedes Team jede Mannschaft schlagen kann. Man muss seine Aufgaben erfüllen“, sagte Eintracht-Nationalspielerin Sara Doorsoun vor dem Restart am Freitag (18.30 Uhr/DAZN und MagentaSport): „Deswegen finde ich es total attraktiv, was gerade in der Bundesliga passiert.“

In ihren 15 Jahren in der deutschen Eliteklasse hat die Olympiadritte von Paris das schon ganz anders erlebt. „Es war damals – übertrieben gesagt – so, als ich in Wolfsburg gespielt habe: Wenn Bayern am ersten Spieltag gepatzt hat, wussten wir: Die Meisterschaft gehört uns eigentlich schon“, sagte Doorsoun, die mit dem VfL zweimal die Schale holte (2019 und 2020). Doch nun habe die Frauen-Bundesliga – trotz enormer wirtschaftlicher Vorteile vor allem in England – durch mehr Leistungsdichte „fast ein Alleinstellungsmerkmal in Europa“, meinte Arnautis. Zu verdanken sei das der Tatsache, dass sich aufgrund der Professionalisierung „in allen Standorten nachhaltig etwas entwickelt“.

Ein spannender Punkt angesichts der aktuell großen Fragezeichen. Die Vergrößerung der Liga von 12 auf 14 Teams ist beschlossen, in den anderen (finanziellen) Kernpunkten aber stockt die Strukturreform. „Nicht alle Spielerinnen in der Liga sind Profis, es gibt kein Mindestgehalt“, zählte Bayern-Direktorin Bianca Rech im Podcast „The Rise of Women’s Football“ als Beispiel-Mängel auf.

Auf Liga-Ebene sei „noch so viel zu tun“. Es werde „mehr Partner geben, mehr Geld“, prognostizierte Rech. Aber es braucht einen Konsens: „Es ist definitiv nicht einfach. Wir müssen sicherstellen, dass wir in die richtige und gleiche Richtung gehen.“ Das Ziel: Ein sich selbst tragendes und eigenständiges Ökosystem, wie es bei der Gründung der „Geschäftsplan Frauen-Bundesliga Projekt GbR“ im Herbst hieß, das international wettbewerbsfähig ist.

Bis diese Zukunftsfragen geklärt sind, rückt die sportliche Gegenwart in den Fokus. „Natürlich sprechen wir intern darüber, dass echt etwas möglich ist in diesem Jahr“, sagte Doorsoun zur Zielsetzung für die Restrunde, vermied das „M-Wort“ aber lieber noch: „Mindestens Platz drei ist das Ziel, daran ändert sich nichts, und alles darüber hinaus nehmen wir gerne mit.“
SID

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