Gedenken an Tobi Eder im SAP Garden. © Red Bull/City-Press
München – Scheiben fliegen im Eishockey, manchmal aber fallen sie auch. Zumindest sagt man das so, „dass die Scheiben reinfallen“. Übersetzt: Man hat einen Lauf und Glück. Wie derzeit der EHC Red Bull München, seit Alt-Trainer Don Jackson wieder seine Hand auflegt. Das 3:1 (1:1, 1;0, 1:0) gegen Bremerhaven war der vierte Sieg im vierten Spiel unter „DJ“.
Die Tonlage des Spiels war eine andere als im Eishockey-Alltag. Es wurde um den zwei Tage zuvor an Speiseröhrenkrebs verstorbenen Ex-EHC-Spielers Tobias Eder, Bruder des in Münchner Diensten stehenden Andreas Eder, getrauert. Die Eisbären Berlin, das Team, für das Tobi Eder seit 2023 angetreten war, hatten ihre Partie gegen Düsseldorf verlegen lassen, bei den anderen Clubs fanden Schweigeminuten und ehrendes Gedenken statt. In München kam dazu, dass man die Fans bat, in Anlehnung an Tobi Eders letzte Rückennummer, die 22, in den ersten 2:20 Minuten der Partie auf Anfeuerung zu verzichten und sich auch in der 22. Minute an ihn zu erinnern. Da wurde dann sein Name gerufen. „Pfiat di Tobi. Mach‘s guad“, stand auf einem Transparent in der Nordkurve, auf den Trikots der Spieler und den Anzügen der Verantwortlichen waren schwarze Badges mit „Tobi“-Aufschrift angebracht. Aufs Drittelpausen-Entertainment wurde verzichtet.
Erstmals seit der Corona-Pandemie hörte man im Eisstadion wieder das Kratzen der Kufen und das Aneinanderschlagen der Stöcke beim Bully – ehe dann die vertraute Geräuschkulisse zurückkam. Und auch das war wie gewohnt: Es zeigte sich, dass es schwer ist, gegen die Defensivarbeiter aus Bremerhaven zu Toren zu kommen. Dem EHC glückte das im ersten Abschnitt nur bei einem Powerplay. Da war Markus Eisenschmid, der Spezialist für Direktschüsse, mit seinem One-Timer zum 1:0 erfolgreich (4.), für den 138 km/ gemessen wurden. Die Bremerhavener waren unzufrieden, dass sie für ihre Verhältnisse „zu viele Turnovers“ (Ziga Jeglic) zuließen, doch ihr Expected-Goals-Wert lag nach 20 Minuten über dem der Münchner. Und Ryan Bettahar traf mit Münchner Mithilfe zum 1:1 (12.). Die Fischtown Pinguins waren mit „kurzer Bank“ angetreten, es fehlten einige Spieler, die erkrankt waren. Verteidiger hatte Trainer Alexander Sulzer ausreichend zur Verfügung, aber nur drei Sturmreihen.
Mathias Niederberger und Kristers Gudlevskis, die beiden Torhüter, waren gut beschäftigt. Der Münchner Niederberger zeigte eine wichtige Parade, als er in der 38. Minute mit einem jedem Turner zur Ehre gereichenden Spagat einen Break des Bremerhaveners Max Görtz stoppte – im Gegenzug fand dann ein Schuss von Taro Hirose den Weg ins Netz. Mit einem 2:1-Vorsprung ging der EHC ins letzte Drittel.
Am sichtbarsten hat er sich unter Don Jackson in den Special Teams verbessert. In Unterzahl werden Gegentore verhindert, in Überzahl gelingen Treffer. Mit dem Powerplay-Tor zum 3:1 von Chris DeSousa (50.) war der Abend sportlich gelaufen. Und auch Jacksons Heim-Comeback geglückt.
GÜNTER KLEIN