Ehrenrunde für das Trikot: Brendan O‘Donnell. © dpa/Thomas Haesler
„Unfassbar“: Choreografie der Eisbären-Fans in Erinnerung an Tobias Eder. In Berlin wurde am Sonntag wieder gespielt. © dpa/Andreas Gora
Vor dem Münchner SAP Garden: Fans trauern um den ehemaligen EHC-Spieler. © Red Bull/City-Press
München – Das hatte es im Eishockey auch noch nie gegeben: Dass der Geschäftsführer eines Clubs nach dem Spiel aufs Eis tritt, in seinem Handy nach einer Nachricht sucht und sie den über 14000 Menschen in der Halle vorliest. Doch Thomas Bothstede von den Eisbären Berlin war danach, dem Abend diese Klammer zu geben. Das Spiel am Sonntag gegen Nürnberg stand im Zeichen des Gedenkens der Eisbären an ihren vier Tage zuvor verstorbenen Spieler Tobias Eder. Ein Programmbestandteil war eine Kurven-Choreografie der Berliner Fans. Als die live in der Fernsehübertragung gezeigt wurde, erhielt Thomas Bothstede eine Nachricht von Tobias Eders Vater, die er zweieinhalb Stunden später an das Publikum weitergab: „Er schrieb einfach nur ,Unfassbar‘ mit einem riesengroßen Herzen.“
Die Berliner hatten zwei Spiele verschieben lassen, sie waren vom Drama um Tobias Eder verständlicherweise am stärksten betroffen. Blaine Byron, sein Mitspieler, veröffentlichte einen Post, der das Verhältnis der Mannschaft zu dem 26-jährigen Tegernseer aufzeigte. „Mein Herz bricht jedes Mal, wenn mir bewusst wird, dass Du nicht mehr bei uns bist und wir uns morgen nicht in der Halle treffen werden.“ Byron erinnerte an die Gespräche mit Tobi Eder, in denen es darum ging, wie man seine Genesung feiern würde: „Wenn Du den Krebs besiegst, würden wir die größte Party schmeißen. Und es würde speziell sein, wenn Du Dein erstes Tor schießen würdest.“ Dazu kam es nicht mehr.
Die Berliner trauerten würdevoll, Gleiches galt für die Vereine, die ebenfalls eine starke Bindung zu Tobias Eder haben, die Düsseldorfer EG und den EHC Red Bull München, die am Sonntag aufeinandertrafen. Bei der DEG reifte Eder vom Talent zum Nationalspieler, den schließlich Berlin holte im Sommer 2023, seine Profianfänge lagen in München. Am Freitag nach dem Match des EHC gegen Bremerhaven versammelten sich Fans vor dem SAP Garden zu einer Andacht, auch Spieler stießen dazu.
Der Name Eder bleibt in München ohnehin präsent, durch Andreas, den zwei Jahre älteren Bruder, der sich dazu entschloss, am Sonntag in Düsseldorf aufzulaufen. „Es war großartig, Andi auf dem Eis zu sehen“, sagte Brendan O‘Donnell, der Star der DEG, der am Mittwoch beim ersten Spiel nach der Todesnachricht eine Runde mit einem hochgehaltenen alten Tobias-Eder-Trikot gelaufen war. Sein Verein steckt mitten im Abstiegskampf, die Ereignisse gehen der DEG auch an die mentale Substanz. Trotz der 1:2-Niederlage gegen München schlug dem Team im Düsseldorfer Dome die Anerkennung der Anhängerschaft entgegen: Es wurde respektiert, dass die Mannschaft sich gestellt und versucht hatte, den Alltag zu bewältigen.
Drei Münchner für die beiden Länderspiele nominiert
Darum geht es nun: zurückzufinden in den Betriebsmodus. Was dabei hilft: Der Kalender bietet eine Möglichkeit, sich erst einmal zu sammeln. Für zwei U-25-Länderspiele in der Slowakei macht die DEL gut eine Woche Pause. Die Clubs schicken ihre Spieler in einen Kurzurlaub, in München, wo es kürzlich ja auch den zweiten Trainerwechsel der Saison gab, haben alle frei bis auf den zweiten Torhüter Simon Wolf, Verteidiger Jakob Weber und Stürmer Veit Oswald (für den verletzten Filip Varejcka), die eine Einladung von Bundestrainer Harold Kreis erhielten. In der Liga geht es ab 12. Februar weiter, die Restprogramme betragen zwischen nur noch neun Spielen (München) und zwölf (Bremerhaven).
Auch bei den Teams, die einen sportlichen Lauf hatten zuletzt, ist man froh über die Pause. Brendan O‘Donnell von der Düsseldorfer EG: „Wir waren voll auf dem Gas und müssen die Batterien aufladen.“
GÜNTER KLEIN