Torwart Manuel Neuer und die Bayern mussten auch gegen Abstiegskandidat Kiel drei Gegentore hinnehmen. © Imago
München – Schon die Vorbereitung auf das 4:3 am Samstag gegen Abstiegskandidat Kiel verlief nicht nach Plan. Wie unsere Zeitung erfuhr, hatten einige Bayern-Stars, darunter Michael Olise und Leroy Sané, am Freitagnachmittag einen Stressmoment. Der Grund dafür: Die Spieler, die nach dem Abschlusstraining schnell nachhause gefahren sind, mussten wieder retour zu einer Besprechung, deren Termin erst kurzfristig per Nachricht verschickt wurde. Dementsprechend überrascht, teils auch genervt, waren die Stars.
Einiges ist gut unter Trainer Vincent Kompany, aber alles läuft eben noch nicht rund beim deutschen Rekordmeister. Vor allem die Anfälligkeit in der Defensive macht Sorgen. Auch Uli Hoeneß. Der Ehrenpräsident beim Sonntags-Stammtisch des Bayerischen Rundfunks: „Das muss der Herr Eberl mit ihm ausmachen, aber wenn ich ihn demnächst mal sehe, werde ich ihn auch fragen, warum wir so viele leichte Tore kriegen.“
Eine mögliche Ursache dafür: Während der Coach auf nahezu allen Positionen munter rotiert, müssen die Innenverteidiger quasi durchspielen. Trotz Wehwehchen. Minjae Kim plagt seit dem 3:3 Anfang Oktober in Frankfurt eine Achillessehnenentzündung. Eine längere Pause bekam er von Kompany aber nicht. Dayot Upamecano hat aktuell Becken- und Rückenschmerzen. Beim 2:1 in Freiburg pausierte der Franzose zwar deshalb, gegen Kiel musste er aber schon wieder in der Startelf ran.
Kompany soll den Innenverteidigern daraufhin erklärt haben, dass auch er früher nur selten zu 100 Prozent fit gewesen sei. Man müsse als gesetzter Abwehrstar allerdings clever agieren. Zudem wolle er nicht auf Upamecano und Kim verzichten, sofern dies nicht zwingend notwendig sei.
Immerhin: Neben Eric Dier und dem wiedergenesenen Josip Stanisic wird dem Belgier endlich bald Sommer-Neuzugang Hiroki Ito zur Verfügung stehen. Nach unseren Informationen soll der japanische Verteidiger, der im Sommer aus Stuttgart nach München wechselte, nach zwei Mittelfußbruch-Operationen in dieser Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.
Ein weiterer Grund für die Gegentore, auch gegen vermeintlich schwächere Gegner wie Feyenoord (0:3) in der Champions League und eben Aufsteiger Holstein Kiel, sind Unkonzentriertheiten und Nachlässigkeiten. „Es ist mehr eine mentale Sache. Wir dürfen unsere Prinzipien nicht verlieren. Wenn wir sie verlieren, sind wir eine ganz normale Mannschaft – und dadurch verwundbar gegen jeden Gegner“, erklärte Mittelfeldchef Joshua Kimmich am Wochenende.
Neben der Gegentorflut und der Rücknahme seines Meister-Versprechens hat Hoeneß auch von immer größeren Herausforderungen bei Ausweitungen der Arbeitspapiere gesprochen: „Grundsätzlich wird es immer schwieriger mit den Vertragsverlängerungen.“
P. KESSLER, M. BONKE