Traudl Hächer 1991.
Die bis dato letzte Ski-WM in Saalbach-Hinterglemm ging wegen des damals dauerhaft so wunderbaren Wetters als Sonnen-WM in die Historie ein. Aus sportlicher Sicht jubelten 1991 vor allem die Gastgeber – elf Medaillen, darunter fünfmal Gold, heimste Österreich ein. Die deutsche Bilanz war deutlich magerer: Die Edelmetallkandidaten wie Markus Wasmeier oder Armin Bittner gingen leer aus. Traudl Hächer mit Bronze im Riesenslalom verhinderte das Komplett-Debakel. Die Geschichte der gebürtigen Schlechingerin könnte – sofern das im modernen Hunderstelsekunden-Skisport noch möglich ist – auch ein Vorbild für das Zwölfkopf-DSV-Team sein. Denn Hächer blieb vor dem WM-Coup fast zwei Jahre ohne Top-Ten-Platzierung in dieser Disziplin.
Ähnlich sind die Voraussetzungen für Lena Dürr & Co. Die Germeringerin ist eigentlich die Einzige, die sich im Slalom berechtigte Hoffnungen aufs Stockerl machen darf. Auch Linus Straßer hat in der Theorie natürlich alle Möglichkeiten dazu, in der bisherigen Saison konnte es der Münchner aber noch nicht zufriedenstellend in der Praxis umsetzen. Und sonst? Die Team-Wettbewerbe sind immer eine Wundertüte, zumal die Team-Kombi noch für alle völliges Neuland ist. Aber das war es dann auch schon. Es sei denn, jemand wie Kira Weidle-Winklmann macht dem DSV die Hächer.
Was so flapsig formuliert nach sonniger WM klingt, verspricht realistisch gesehen eher trübe Aussichten. Würden morgen die Olympischen Spiele beginnen – die deutschen Qualifikationskriterien von 1x Platz Acht oder 2x Top-15 sind dort weniger leicht zu umkurven – wären nur fünf mickrige Athleten (Straßer, Baumann) und Athletinnen (Dürr, Weidle-Winkelmann, Aicher) dabei. Da kann man schon etwas neidisch zu den Nachbarn blicken, die auf 2022-Olympiasieger Johannes Strolz verzichten, weil er an der internen Ausscheidung gescheitert ist. Dass Alpinchef Wolfgang Maier, der nicht im Verdacht steht, Laissez-faire-Einstellungen zu belohnen, seine Mannschaft dennoch aufgefüllt hat, ist richtig und in Teilen auch nachvollziehbar. Anton Grammel und Jonas Stockinger haben, gemessen an ihren Startnummern, ordentliche Ergebnisse erzielt. Luis Vogt gilt als Speed-Hoffnung für die Zukunft. Und Simon Jocher bremste eine Verletzung. Zudem: irgendwer muss im heutigen Parallel-Event auch starten.