Wie es läuft, wollen die meisten meiner Mitmenschen wissen, seit ich mich für die Challenge Roth in diesem Sommer angemeldet habe. Nun ja: „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ – trifft es wohl am besten. Auch wenn ich es sonst nicht so mit der Bibel habe.
Seit meinem Trainingsbeginn Mitte Oktober bin ich 330 km gelaufen und hab 1650 km auf dem Rad geschwitzt. Dazu kommen viele Stunden Stabilisations- und Kraft-Übungen – eine Sache, die oft sträflich vernachlässigt wird. So weit, so gut. Bis nach einem intensiven Sonntag plötzlich mein rechtes Knie meckerte. Aufklärung verschaffte ein MRT bei Dr. Manuel Köhne vom OCM in München.
Seine Analyse: „Der Meniskus beginnt minimal einzureißen. Noch ist das aber nicht super schlimm.“ Geringere Belastung sollte das wieder in Einklang bringen. Vollständig erholen wird sich die Problemstelle aber nie mehr. „In ein paar Jahren schneide ich ihnen den vorderen Teil einfach raus.“
Was mich erst mal schlucken lässt, ist sein tägliches Brot. Der Mann operiert rund 1000 Knie im Jahr, darunter auch die der deutschen Ski-Nationalmannschaft. Ein paar Räume weiter liegt Jacob Schramm, der 26-Jährige hat sich bei seinem diesjährigen Versuch auf der Streif in Kitzbühel beide Knie derart demoliert, dass es selbst für Köhne Neuland war.
„Der Körper reagiert und wir folgen ihm“
Dagegen wirkt mein Zipperlein tatsächlich lächerlich – und doch bremst es mich aus. „Der Körper reagiert und wir folgen ihm“, sagt Formkurve-Gründer Raphael Keller, der mir die Trainingspläne erstellt. Doch auch er muss zugeben: In seinem aktuellen Ironman-Kundenstamm nehm ich die Führungsrolle ein, was die körperlichen Defizite angeht. Das liegt auch an meiner Schulter. Schon zu Beginn dieses Projekts plagte mich eine Entzündung, die ich bis heute nicht losgeworden bin. Die Folge: mickrige 12 Schwimm-Kilometer auf der Haben-Seite.
38 ist eben nicht mehr 20 – ich fürchte, das muss ich mir eingestehen. Redaktionsintern werden schon Witze gerissen, dass ich mir den Solarer Berg mit Tränen in den Augen von meinem Schreibtisch aus ansehen werde. Aber daran will ich (noch) nicht denken. Bis zum 6. Juli kann noch viel passieren.
Und wie sagte Andre Schürrle (34), der ebenfalls in Franken starten wird, jüngst: „Ich bin dabei, weil ich mir gerade Herausforderungen suche, die mich ans absolute Limit bringen, mental, aber auch physisch.“ Der Fußball-Weltmeister bezog das natürlich auf das Rennen (3,8 km Schwimmen, 180 km Rad, 42,2 km Laufen) selbst. Bei mir gilt das eben schon ein bisschen für die Vorbereitung.