Die Wildsau fliegt wieder

von Redaktion

27 Monate nach Horrorsturz und doppeltem Beinbruch: Max Franz startet als Vorläufer

Aufgeben? Keine Option! Max Franz, mittlerweile 35 Jahre alt, will zurück in den Weltcup. © IMAGO/Klansek

Glücksgefühl: 27 Monate nach seinem Horrorsturz startete der Österreicher als Vorläufer beim Training für die Abfahrt in Saalbach. © IMAGO/Steiner

Gehen musste er wieder lernen – noch heute schafft er kaum mehr als 500 Meter.

Drei Wochen nach der OP: Franz brach sich beide Unterschenkel. © IMAGO/Walgram

Saalbach/München – Kämpfer? Verrückter? Wahnsinniger? Wie soll man einen Mensch nennen, der sich vor 27 Monaten beide Unterschenkel bricht, einen Nerv durchtrennt und heute immer noch nicht richtig Gehen kann und trotzdem als Vorläufer bei der alpinen Ski-WM fährt. Wahrscheinlich trifft es der Spitzname, den Max Franz wegen seines Draufgängerwesens ohnehin trägt, am besten: Wildsau!

Der 35-Jährige schaffte in diesen Tagen in Saalbach, was ihm nach seinem Trainingssturz im November 2022 in Copper Mountain (fast) niemand zugetraut hatte – die offizielle Rückkehr auf die Ski-Piste. „Es hat schon viel Überwindung gekostet am Anfang“, gesteht der Klagenfurter in den österreichischen Medien. Aber: „Ich habe eine brutale Freude.“ Seine Starts seien die „Belohnung“ für all das, was er durchgemacht habe.

Und das ist eine Menge. Beim Unfall vor über zwei Jahren bleibt Franz an einem Tor hängen und hat danach einfach verdammt viel Pech. Sein Körper wird ausgedreht und gleichzeitig nach vorne gedrückt. Er verliert jegliche Kontrolle und wird komplett in die Luft katapultiert. Ein echter „Highsider“, wie man in der Szene sagt. Oder wie es Franz drei Wochen später formulierte: eine „gscheite Brezn“.

Die Folge: Eine offene Unterschenkelfraktur, gepaart mit einem zu 80 Prozent durchtrennten Nerv am linken Bein und eine komplizierte Unterschenkelfraktur am rechten Bein. Doch schon damals sagt der Speed-Junkie: „Ich alleine entscheide, wann Schluss ist.“

Und Schluss ist noch lange nicht. „Im Endeffekt schwinge ich ab und will gleich wieder rauf. Ich weiß, dass ich da her gehöre“, sagt Franz dem Standard. Dabei kann er bis heute nicht spazieren, weil das linke Bein noch immer fast taub ist. „Kurze Strecken gehen immer gut, aber 500 Meter, und der Tag ist im Arsch“, erklärt der Abfahrts-Bronzemedaillengewinner von 2017.

Aber Skifahren, das geht. „Ich glaube, der menschliche Körper kann einiges leisten, und das möchte ich auch zeigen.“ Wenn alles so kommt, wie Franz sich das vorstellt, kehrt er auch noch einmal in den Weltcup zurück. Seriöse Prognosen gibt es dazu aber nicht.

Nach seinem Sturz hielten 19 Schrauben, zwei Platten und ein Nagel seine Unterschenkelknochen zusammen. Sein rechtes Sprunggelenk musste anatomisch rekonstruiert werden. Die OP-Narben, die sich über seine Beine ziehen, sind rund 114 Zentimeter lang. Noch heute hat Franz viel Metall im Körper, die nächste Operation wird kommen. „Es stört nicht, aber man will es schon lieber draußen haben. Es kostet halt wieder zwei Monate“, so der Leidgeplagte.

Immerhin die Schmerztabletten, das „Gift“, das er eineinhalb Jahre schlucken musste, um den Alltag zu überstehen, sind Vergangenheit. Was soll die Wildsau also noch aufhalten?


MATHIAS MÜLLER

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