Max Eberl, Sportvorstand Bayern München, bei seinem Spobis-Auftritt. © Charisius/dpa
München – Es gibt die Momente, das weiß man auch in der Chefetage des FC Bayern, in denen Max Eberl nicht zu erreichen ist. Und es gab auch schon Momente, in denen es der Anrufer dringlich hatte, und Max Eberl trotzdem nicht zu erreichen war. Wenn der Hund raus muss und die schöne Natur am Tegernsee ruft, darf auch ein Sportvorstand des deutschen Rekordmeisters mal kurz im Hier und Jetzt leben. So zumindest die Meinung von Eberl – der sich diese kleinen Auszeiten in seinem stressigen Job selbst verordnet hat.
„Heute ist es so: Ich gehe mit dem Hund, ich lasse mein Handy zu Hause. Kein Trainer kann mich erreichen, kein Journalist kann mich erreichen“, erzählte der 51-Jährige am Donnerstag auf dem SpoBis in Hamburg und gab dabei einen seltenen Einblick in sein Seelenleben. Das Bedürfnis, Dinge bewusst zu tun und nicht ständig unter Strom zu stehen, hat sich nach der Zeit ergeben, in der er bis zu seinem Rücktritt Anfang 2022 in Mönchengladbach eine „situative Depression“ entwickelt hatte. Früher hat Eberl nie abschalten können, „heute gehe ich spazieren und versuche, einfach Spaß zu haben mit einem Lebewesen, das mir sehr, sehr lieb ist.“
In den mehr als sieben Minuten, in denen Eberl sich auf dem Podium öffnete, wirkte der gerne auch mal impulsive Sportchef nicht nur authentisch, sondern nahbar, verletzlich. Er erzählte von Tagen, an denen er das Büro um 11 Uhr verlassen musste: „Dann saß ich auf meiner Couch und habe eigentlich nur an die Decke gestarrt. Irgendwann war es dunkel draußen und ich habe gedacht: Okay, jetzt muss ich doch irgendwas essen.“ Der Fußball habe ihm in dieser Zeit „nichts mehr gegeben“. Und er sagte offen: „Ich war nicht mehr in der Lage, das Leben normal zu führen, und schon gar nicht einen Bundesligaverein zu führen.“ Die „Reise“, als die er die „sechs, sieben Monate“ danach bezeichnete, sei die „spannendste“ seines Lebens gewesen: „Schmerzhaft, schön, emotional.“
Eberl sprach aus, wie es ihm ging – weil er auch andere psychisch Erkrankte ermutigen will, sich Hilfe zu suchen. Was dabei hemme, sei allerdings der Umgang der Gesellschaft mit psychischen Erkrankungen. Eberl: „Was mich wirklich sehr getroffen hat, war im Nachgang in diesem ganzen Reigen, was ich denn in Zukunft machen werde, dass die Menschen mir Schauspielerei und Theater unterstellt haben.“ Inzwischen aber ist er ganz bei sich. An emotionalen Tagen tritt er „auf die Bremse“ – dann dauert der Hundespaziergang halt mal ein wenig länger.
H. RAIF, M. BONKE