BIATHLON

Höhenkampf in Lenzerheide

von Redaktion

DSV-Frauen und -Männer starten mit unterschiedlichen Vorzeichen in die WM

Ein letztes Mal jagen Johannes Thingnes (links) und Tarjei Bö gemeinsam WM-Medaillen. © IMAGO/Pedersen

Will hoch hinaus: Franziska Preuß reist als eine der Topfavoritinnen zur WM. © IMAGO/Einecke

Lenzerheide – Die beiden deutschen Athleten, die bei der Biathlon-WM im vergangenen Jahr noch Einzel-Medaillen abgeräumt haben, sind in diesem Jahr nicht mehr mit von der Partie. Benedikt Doll schnappte sich bei der letzten WM vor seinem Karriereende noch Bronze im Einzel, ebenfalls im Einzel gewann Janina Hettich-Walz Silber. Die 28-Jährige legt eine Pause ein – aus einem erfreulichen Grund: Denn sie steht kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes.

Bei der am Mittwoch beginnenden Weltmeiterschaft in Lenzerheide (Schweiz) müssen also andere in die Bresche springen.

Die Favoriten

Bei den Frauen hat Franziska Preuß als Führende im Gesamtweltcup gute Chancen, Edelmetall mit in ihre Heimat Ruhpolding zu bringen. Die 30-Jährige stand in diesem Winter bereits zehn Mal auf dem Podium (zwei Siege) – zählt man die Staffeln dazu, kommen sogar zwei weitere Siege dazu. Gejagt wird Preuß hauptsächlich von der Französin Lou Jeanmonnot, sie gewann beide Rennen bei der Generalprobe in Antholz vor gut zwei Wochen.

Nachdem sowohl Superstar Johannes Thingnes Bö als auch sein älterer Bruder Tarjei vor kurzem ihre Rücktritte nach dieser Saison bekanntgegeben haben, gehen beide ein letztes Mal bei einer WM auf Medaillenjagd. Letztes Jahr schafften sie im Einzel einen Doppelsieg (Johannes vor Tarjei) – ein weiteres „Bödium“ wäre das nächste i-Tüpfelchen auf zwei herausragenden Karrieren. Doch mit dem Gesamtweltcupführenden Sturla Holm Laegreid haben sie im eigenen Lager die härteste Konkurrenz. Zudem werden auch die Franzosen Emilien Jacquelin und Eric Perrot ein Wörtchen um die Podestplätze mitreden wollen.

Die Deutschen

Entweder verschießen die deutschen Männer am Schießstand oder sie kommen in der Loipe nicht in Fahrt. Dieses Muster zieht sich bei den WM-Teilnehmern Philipp Nawrath, Danilo Riethmüller, Justus Strelow, Philipp Horn und Johannes Kühn durch die gesamte Saison. Nur zweimal (Nawrath als Dritter; Riethmüller als Zweiter) standen die DSV-Männer in Einzelrennen auf dem Podest, Top-10-Plätze waren bisher Mangelware. Demnach sind die Aussichten auf eine Medaille eher als gering einzuschätzen – vor allem mit Blick auf die Konkurrenz.

Ganz anders sieht es bei den Frauen aus: Neben Preuß machte Selina Grotian mit ihrem ersten Weltcupsieg und einem weiteren Podestplatz auf sich Aufmerksam. Auch Vanessa Voigt stand zweimal auf dem Stockerl, krankheitsbedingt musste die 27-Jährige allerdings noch vor der WM ihre Saison beenden. Währenddessen kehrt die wieder genese Julia Tannheimer in den WM-Kader zurück. Die 19-Jährige fuhr mehrere Top-Fünf-Plätze ein und könnte eine der Überraschungen in Lenzerheide werden. Stefanie Scherer hat sich mit ihrem EM-Titel vor einer Woche den letzten Kader-Platz von Voigt ergattert, komplettiert wird das Team von Sophia Schneider.

Außenseiterchancen

Das schwedische Team tut sich in diesem Winter schwer, doch Sebastian Samuelsson und die Öberg-Schwestern bewiesen bereits, dass besonders bei Großereignissen mit ihnen zu rechnen ist.

Noch keine einzige WM-Medaille holten die Lokalmatadoren aus der Schweiz, das Team um Lena Haecki-Groß ist allerdings seit Ruhpolding in Topform: Zweimal verpasste die Frauen-Staffel das Podium nur knapp und Amy Baserga schaffte es im Einzel von Ruhpolding auf Platz drei. Und auch der Italiener Tommaso Giacomel war zuletzt mit seinem Sieg in Ruhpolding und zwei weiteren Podestplätzen bei der Generalprobe in Antholz gut aufgelegt.

Der Wettkampfort

Das Stadion in der Nähe von Lenzerheide liegt recht hoch. Die dünne Luft auf 1400 Meter über dem Meeresspiegel könnte manchen Athletinnen und Athleten ordentlich zu schaffen machen. Weil die Generalprobe in Antholz ebenfalls in der Höhe (1600 Meter) stattfand, zogen es manche Teams und Sportler (wie zum Beispiel die Schweden) vor, sich gleich in einem Höhentrainingslager vorzubereiten. x

Lenzerheide war im vergangenen Jahr erstmals eine Weltcup-Station, nun feiert der Ort seine WM-Premiere.

Kuriose Wette

Die Mutter von Vebjörn Sörum hatte bei dessen Sieg im Einzel von Ruhpolding gleich doppelten Grund zur Freude. Denn sie setzte vorher 25 Euro auf ihren Sohn und gewann anschließend 800 Euro, die direkt in eine Reise nach Lenzerheide zur WM investiert wurden.
ALEXANDER VORMSTEIN

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