„Jetzt geht‘s los“

von Redaktion

Lochners EM-Sieg holt Friedrich „aus der Komfortzone“ – das WM-Duell beginnt ab sofort

Europameister: Die Freude war groß bei Lochner (r.) sowie seinen Anschiebern Fleischhauer, Bauer und Wenzel. © instagram

München – Schon am Montag ging es wieder auf den Schlitten – allerdings: auf das Holz-Modell. Johannes Lochner und seine Crew nutzten den ersten von zwei freien Tagen in Lillehammer, um sich im Schnee zu vergnügen, denn die Laune war natürlich auch am Tag nach dem Coup vom Sonntag noch prächtig. „Endlich“, sagt der frisch gebackene Viererbob-Europameister auch im Gespräch mit unserer Zeitung, „endlich hat es geklappt“. Der Sieg im großen Schlitten, mit dem sich der Berchtesgadener gleichzeitig zum sechsten Mal zum kontinentalen Champion kürte, hatte eine befreiende Wirkung – und sendete gleichzeitig drei Wochen vor dem Start der WM in Lake Placid ein wichtiges Zeichen an die Konkurrenz: „Jetzt geht‘s los!“

Man hatte Lochner in den vergangenen Wochen schon angemerkt, dass ihn die anhaltende Sieglosigkeit in der Königsdisziplin wurmte. „Ein mulmiges Gefühl“ habe ihn begleitet, gibt der 34-Jährige zu, denn während Widersacher Francesco Friedrich im großen Schlitten Sieg um Sieg einfuhr, musste sich Lochner mit zwei zweiten, zwei dritten und gar einem sechsten Platz begnügen. Zwar ging es seit dem Jahreswechsel „langsam in die Richtung, dass es wieder Spaß macht“, es hat aber bis zum zweiten Lauf des ersten von zwei Weltcups in Lillehammer gedauert, ehe der Knoten wirklich platzte. „Ein Wow-Erlebnis“ war die Gold-Fahrt noch nicht, sagt Lochner. Aber sie bestätigt ihn, dass die „herausfordernde“ Arbeit der letzten Wochen sich langsam auszahlt.

Es ging dabei um jedes Detail. Die Anschieber hat Lochner umgesetzt, zudem in Jörn Wenzel eine frische Kraft ins Team geholt, die auf Anhieb Vollgas gab. Dass sein Bob nun auf vollkommen verschiedenen Bahnen in Innsbruck, St. Moritz und Lillehammer besser wurde, stimmt Lochner positiv, auch in Lake Placid um den Sieg fahren zu können. In den letzten Jahren hatten die Schlitten der Firma Wallner auf der Olympiabahn von 1932 stets die Nase vorn. Im FES-Modell will Lochner nun allen davon fahren – auch Friedrich?

Lochner lacht. „Der war schon angefressen gestern“, sagt er und weiß: „Jch habe ihn jetzt aus seiner Komfortzone geholt.“ Heißt: Das Duell ist eröffnet. Wie er damit umgeht, wird Friedrich sich ab jetzt überlegen. Allerdings eher nicht beim lustigen Schlittenfahren…
HANNA RAIF

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