Olympisches Vorglühen

von Redaktion

Männer- und Frauen-Team fahren gemeinsam nach Mailand – NHL mit „Four Nations“

Schampuslaune: In Bremerhaven begann die Eskalation noch auf dem Eis. © DEB/City-Press

Am Ziel: Nach zwölf Jahren fährt wieder eine deutsche Frauen-Nationalmannschaft zu den Olympischen Spielen. © DEB/City-Press

Bremerhaven/München – In die Kabine der feiernden Frauen-Nationalmannschaft kam dann auch der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), Peter Merten, eine Bierflasche umklammernd beobachtete er die zu „Major Tom“ tanzenden und grölenden Siegerinnen, Merten war glücklich in seiner Funktion, die er vor drei Jahren übernahm – und auch persönlich. Denn er hat eine olympische Geschichte, die sein Leben prägte, aber auch eine unvollendete war.

Merten war vor über 50 Jahren ein talentierter Hammerwerfer, deshalb durfte er während der Olympischen Spiele 1972 in München am offiziellen Jugendlager teilnehmen. So gut, um sich als Athlet zu qualifizieren, wurde er später nicht, doch als er 2022 die Präsidentschaft im DEB übernahm, setzte er sich als Ziel, „2026 mit unseren beiden Nationalmannschaften zu Olympia nach Mailand zu fahren“. Und das wird geschehen. Die Männer haben nach einer Serie gelungener Turniere – inklusive der Vizeweltmeisterschaft 2023 – ihren Startplatz seit Längerem fix, die Frauen mussten durch die Qualifikation gehen und bestanden den Stresstest: 2:0 gegen Österreich, 6:1 gegen die Slowakei und am Sonntag ein 2:1 gegen Ungarn (mit dem ehemaligen deutschen Männer-Bundestrainer Pat Cortina an der Bande) – beginnend mit der Schlusssirene erlebte die Eishalle Bremerhaven ausufernde Jubelszenen. „Der Zug hat keine Grenzen“, zitierte Torhüterin Sandra Abstreiter einen der Stimmungshits, die die Party unterlegten, „und der Zug fährt die ganze Nacht geradeaus. Italien, wir kommen!“

Noch keine der Nationalspielerinnen hat Olympia erlebt. Letztmals war das Frauen-Team 2014 dabei, davor 2002 und 2006. Männer und Frauen gemeinsam bei den Spielen, das hatte es zuletzt 2006 gegeben. Nun hat Deutschland die Gelegenheit, sich als blühende Eishockey-Nation zu präsentieren. In einem Jahr wird in Mailand die ganz große Bühne aufgebaut.

In dieser Woche beginnt bei den Männern das olympische Vorglühen. In Montreal und Boston findet das „Four Nations Face-Off“ statt. Eine Veranstaltung der NHL und der Spielergewerkschaft NHLPA. Statt des All-Star-Wochenendes gibt es diesmal ein Turnier mit den Nationalteams von Kanada, USA, Schweden und Finnland. Teilnahmeberechtigt sind ausschließlich NHL-Akteure, die 23-Mann-Kader lassen erahnen, was Olympia in zwölf Monaten erleben wird. Und Mailand bietet sogar noch mehr Stars. Denn dann werden auch der Kölner Leon Draisaitl oder der tschechische Superstar David Pastrnak zu sehen sein, deren Länder nicht genügend NHL-Spieler haben, um ein komplettes Team daraus zu bilden.

Deutschland träumt von einer Mannschaft, wie es sie bei den jährlichen Weltmeisterschaften, die sich immer mit den NHL-Playoffs überschneiden, wohl nie zusammenbekommen wird. Mit Leon Draisaitl, Tim Stützle, JJ Peterka, Nico Sturm und Lukas Reichel im Angriff und Moritz Seider in der Abwehr. Vielleicht kommt hinten Maksymilian Szuber dazu, der auf dem Sprung ins NHL-Team des Utah Hockey Club ist. Sorgen bereitet derzeit nur Philipp Grubauer, der einzige deutsche NHL-Torwart, der seinen Platz bei denm Seattle Kraken verloren hat und ins Farmteam abgeschoben wurde. Vielleicht fängt er sich noch einmal. Über seine Situation kann der Rosenheimer demnächst mit Bundestrainer Harold Kreis und DEB-Sportdirektor Christian Künast sprechen – denn die brechen zu ihrer Besuchsreise nach Amerika auf.

Der Hype ums Frauenturnier 2026 wird nicht so groß sein wie der um die Männer-Spiele mit NHL-Starpower – doch auch die weibliche Sparte erlebt nie dagewesene Aufmerksamkeit. Die vor gut einem Jahr gegründete Profiliga PWHL ist ein Erfolg, neben Torhüterin Abstreiter (Montreal) wechselt nun eine zweite deutsche Spielerin nach Übersee: Laura Kluge aus Berlin fliegt diese Woche nach Toronto. Profi-Kandidatinnen dürften auch die Welcke-Zwillinge Lilli und Luisa sein, die an der Boston University spielen und die beiden Tore gegen Ungarn erzielten.

„Olympia ist ein Kindheitstraum“, sagte Lilli Welcke. „Wir haben über Jahre viel investiert, das hat sich ausgezahlt“, resümierte Kapitänin Daria Gleißner an einem Abend des finalen Glücks.
GÜNTER KLEIN

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