Rückkehrer: Heinz Schmidt, hier mit Sportchef Werner
Zuletzt isoliert: Noch-Präsi Reisinger und Vize Steppe.
Neuer Oberlöwe? Gernot Mang (56) wurde vom Verwaltungsrat als Reisinger-Nachfolger vorgeschlagen. © Imago (3)
München – Spätestens seit dem Kanzler-Duell am Sonntagabend ist Deutschland im Wahlfieber. Passend dazu will sich auch der TSV 1860 an der Spitze neu aufstellen: Robert Reisinger (61), in diesem Bild der Löwen-Scholz, soll weg, Gernot Mang den Merz machen. Wobei es bei den Löwen keine klassische Direktwahl gibt. Laut Satzung schlägt der Verwaltungsrat alle drei Jahre ein neues Präsidium vor, und die Mitglieder können es dann bestätigen – oder eben nicht.
Nach acht Jahren endet also im Sommer die Regentschaft von Reisinger, dessen Wirken zuletzt immer mehr Fans kritisch gesehen haben. Reisinger hinterlässt einen tief gespaltenen Verein – obwohl er sich zuletzt zweimal mit Investor Hasan Ismaik getroffen hat. Im Gespräch mit unserer Zeitung wirkt er gefasst, verweist nüchtern auf die Satzung. Mit ihm selber, lässt er durchblicken, sei nicht gesprochen worden.
Die Nichtnominierung soll ihn tief getroffen haben, sagen Menschen, die ihn besser kennen. Offiziell erklärt er, auch für die mit ihm scheidenden Vizes Norbert Steppe und Karl-Christian Bay: „Wir wünschen den vorgeschlagenen Kandidaten viel Erfolg und im Fall ihrer Wahl eine glückliche Hand bei allen Aufgaben im Amt.“
Beides können sie gebrauchen, die vier Herren, die sich im Sommer zur Wahl stellen. Der Vorarlberger Mang (56), Betriebswirt und Mitglied der Tennisabteilung, hatte bereits für den letzten Verwaltungsrat kandidiert. Für die künftig drei Vizeposten vorgesehen sind Christian Dierl, Peter Schaefer und Heinz Schmidt, der als Rückkehrer Schatzmeister Bay ersetzen soll. Dierl, mit seinem Malerbetrieb auch Sponsor, hat sich bei den „Unternehmern für Sechzig“ für ein Spitzenamt empfohlen, sitzt bereits im Verwaltungsrat. Und Peter Schaefer, der Jurist, ist den Mitgliedern als Vorsitzender des Wahlausschusses bekannt.
Nach Informationen unserer Zeitung hat der im Herbst geschlossene Darlehensvertrag das Verhältnis zwischen Reisingers Präsidium und dem Verwaltungsrat nachhaltig getrübt. Nun also ein Neuanfang. Der Verein braucht ihn dringend, denn Reisinger kam nicht recht weiter bei 1860.
In unserem Sommerinterview 2022 sagte er zu seinen Zielen: „Aufstieg in die 2. Liga, Kapitalerhöhung, Bau der Turnhalle. Ich hinterlasse nicht gerne halbe Sachen.“ Muss er jetzt aber, wobei der Verwaltungsrat seine Presseerklärung mit versöhnlichen Worte schließt: „Es besteht der feste Wunsch nach einer gebührenden Verabschiedung unter Würdigung der großen Verdienste um den gesamten Verein.“
ULI KELLNER