Backen aufblasen und lossprinten: Turbostürmer Abiama begeistert die Löwen-Fans – nur ein Treffer blieb ihm bei seinem Drittligadebüt verwehrt. © Sampics / Stefan Matzke
München – Als er fünf Minuten vor Schluss das Spiel verließ, zusammen mit Maximilian Wolfram, brandete Beifall auf, einige Zuschauer erhoben sich sogar auf der Stehhallen-Seite, wo die Löwen am Samstag ihre ausgepumpten Profis vom Rasen holten. Wolfram hatte sich den Sonderapplaus verdient, weil er den Führungstreffer im Derby gegen den FC Ingolstadt erzielt hatte – mit einem beherzten Schuss, den FCI-Keeper Boevink nicht zu fassen bekam (Endstand 1:1). Und Abiama? Der hatte das Publikum 85 Minuten lang mit Spektakelfußball verzückt.
Tiefenläufe, Flanken, Torschüsse, Tricks, das alles bei höchstem Tempo. Schon früh im Spiel setzte erwartungsfrohe Unruhe auf den Rängen ein, wenn der Neuzugang am Ball war. In Kaiserslautern hatte Abiama sein letztes Spiel im September gemacht – bei den Löwen reichten ihm vier Tage Training mit der Mannschaft, um auf Anhieb eine tragende Rolle zu übernehmen. Nur ein Tor war ihm nicht vergönnt – und auch kein Heimsieg. „Das Spiel war gut, aber ich denke, wir hätten es gewinnen müssen“, sagte der Neue hinterher, als er auch vor den Kameras eine gute Figur machte. In passablem Deutsch sprach er im Fernsehen, mit der schreibenden Presse danach auf Englisch. Giesing hat eine neue Attraktion – und Abiama ist auf dem Weg zum Löwenliebling.
Bemerkenswert ist, wie nicht nur die Fans, sondern auch die Mitspieler ihren neuen Sturmkollegen aufnahmen. Es gibt Neue, die erst mal wie Fremdkörper wirken, keine Bälle sehen, verloren wirken auf dem Platz. Bei Abiama dagegen war das Gegenteil der Fall. Die Mitspieler suchten ihn vom Anpfiff weg – auch weil die FCK-Leihgabe einen Spielertyp verkörpert, den man lange nicht auf Giesings Höhen gesehen hat. Hobsch setzt die Tradition der Kopfballmonster fort, Wolfram ist Mr. Vielseitig, Kozuki ein begabter Dribbler, der hin und wieder früher abspielen müsste. Über Abiama, die neue Nummer 9, sagte Kapitän Thore Jacobsen: „Er hat ordentlich Tempo. Finde ich geil. Den kann man mal tief stecken. Er ist ein ganz anderer Spielertyp als die, die wir sonst haben.“
Anders auch als Dominik Martinovic, der jetzt für Essen stürmt, weil sich die Löwen intern plötzlich nicht mehr einig waren. Lange sah es danach so aus, als wäre der Winter-Stürmermarkt leergefegt, speziell bei der Turbomodellen. Dann jedoch ließ Sportchef Christian Werner weißen Rauch aufsteigen: Habemus Abiama! Nicht jedem war der Name des fränkischen Nigerianers auf Anhieb ein Begriff. Jetzt kennt ihn jeder 1860-Fan, schon nach einem Spiel. So schnell geht das bei einem Verein, der in den letzten Monaten wenig Grund zur Freude hatte.
ULI KELLNER