Bayern nutzt die Celtic-Bühne

von Redaktion

Auswärtsfluch beim 2:1 in Glasgow besiegt – und Achtelfinale in Sicht

Erlösung: Der Jubel um Torschützen Olise war groß, denn das Achtelfinale ist in Sichtweite. © Hoppe/dpa

Der saß: Kane traf zum 2:0 kurz nach dem Halbzeitpfiff, der siebte Champions-League-Treffer des Engländers. © epa/PERRY

Auswärtssieg, endlich! Kompany. © Hoppe/dpa

Glasgow – Dieses Stadion im Stadtteil Parkhead der schottischen Hauptstadt Glasgow ist eins zum Genießen. Wenn das „You‘ll never walk alone“ aus 60 000 Kehlen durch den Celtic-Park klingt, herrscht Gänsehaut-Feeling – und man konnte auch den elf Bayern, die am Mittwochabend um kurz vor 21 Uhr den Rasen des sogenannten „Paradise“ betraten, ein wenig Ehrfurcht ansehen. Eine bessere Bühne für den ersten Auswärtssieg der laufenden Königsklassen-Saison hätte es kaum geben können, das war Vincent Kompany und seinem Team bewusst. 90 Minuten und eine wilde Schlussphase beim 2:1 (1:0) im Playoff-Hinspiel bei Celtic später war klar, dass der Favorit aus München sie hatte nutzen können.

Der große Schritt in Richtung Achtelfinale gelang, weil Michael Olise die dominanten, aber lange nicht zwingenden Bayern wenige Sekunden vor dem Halbzeitpfiff in Führung brachte (45.) und Kane kurz danach nachlegte (49.). Glück hatten sie allerdings, dass Celtic – zuvor 32 Spiele hintereinander zuhause ungeschlagen – ein Elfmeter verwehrt wurde. Der Anschluss gelang Maeda in der 79. Minute, am Ende wurde es nochmal heiß. Dennoch: Gelingt am kommenden Dienstag (21 Uhr) in München eine konzentrierte Leistung, dürfte das Ticket für die Runde der letzten 16 gebucht sein – und der Traum vom „Finale dahoam 2.0“ weiterleben.

„Es ist speziell, in sechs Tagen drei wichtige Spiele zu haben“, hatte Sportdirektor Christoph Freund vor dem Anpfiff gesagt. Kompany wählte sicher auch mit Blick auf das Gastspiel in Leverkusen am Samstag vier frische Kräfte. Leon Goretzka, Konrad Laimer, Eric Dier und Leroy Sané kamen für den angeschlagenen Min-jae Kim, Kingsley Coman, Aleksandar Pavlovic und Sacha Boey. Für die Abwehr gab es gleich einen Warnschuss: Nach 26 Sekunden nämlich zappelte der Ball bereits hinter Manuel Neuer im Netz. Die Bayern atmeten durch, weil der vom Ex-Bayern Nicholas Kühn initiierte Angriff wegen Abseits abgepfiffen worden war.

Dennoch konnte man ahnen, was passiert, wenn die Heimmannschaft in diesem Hexenkessel in Fahrt kommt. Die Anfangsphase war umkämpft, aber die Bayern schafften es immer besser, Glasgow hinten rein zu drücken. Ein Schuss von Dayot Upamecano geriet zu hoch, einen ersten sehenswerten Angriff über Guerreiro hatte Kasper Schmeichel sicher (11.). Wirklich gefordert war der Glasgow-Keeper in der 13. Minute, als der agile Michael Olise über einen Doppelpass mit Harry Kane aus spitzem Winkel zum Abschluss kam. Glasgow wirkte zunehmend fremdgesteuert, auch weil die wenigen Versuche nach vorne von der Bayern-Abwehr unterbunden wurden.

Der Bayern-Plan war klar, aber es zeigte sich das altbekannte Muster: Die Angriffe waren nicht zwingend genug. Eine gute Gelegenheit hatte Sané (31.), Kane war per Kopf nach einem Eckball nah am 1:0 (43.) – dass dann tatsächlich noch vor dem Seitenwechsel fiel. Upamecano spielte einen herrlichen Diagonalball auf Olise, der nach innen zog und stramm mit links abschloss (45.). Die Führung zur Pause war verdient, danach konnte Kompanys Elf nachlegen: Kane nahm einen Eckball direkt an und drosch ihn zum 2:0 in die Maschen (49.).

Es hätte nochmal eng werden können, hatte der Referee nach VAR-Check ein Foul von Upamecano mit Elfmeter für Celtic bestraft. Er tat es aber – warum auch immer – nicht. Celtic musste mehr riskieren, die Bayern nicht mehr viel. Maeda hatte eine gute Chance (74.) und traf dann zum Anschluss. Es brannte plötzlich lichterloh, aber die Bayern ließen sich den Sieg auch dank Manuel Neuer nicht nehmen. Ein echter Genuss war es am Ende nicht mehr. Aber ein Sieg – und das zählte.
HANNA RAIF, MANUEL BONKE

Artikel 9 von 11