ZUM TAGE

NBA-Allstar-Game: Ein Relikt aus der Vergangenheit

von Redaktion

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Basketballliga NBA – das Flaggschiff der Veränderung – einmal links überholt wird? Und dann auch noch von der gerne belächelten Konkurrenz auf Eis? Die NHL hat ihr All-Star-Wochenende zumindest für ein Jahr eingemottet und allen einen Gefallen getan, dass uns diese notorisch langweilige Daddelei endlich erspart bleibt. Ersetzt wird das Gaudispiel der Stars durch ein Turnier der vier Eishockey-Nationen Kanada, Schweden, Finland und USA. Los geht’s Donnerstag. Ein Hoch auf die Revolution.

Die Sternchen des Welt-Basketballs hingegen versammeln sich am Wochenende in San Francisco erneut für ihr All-Star-Spiel. Früher produzierte das mal legendäre Momente. Michael Jordan dunkte von der Freiwurflinie, Larry Bird gewann den Dreier-Wettbewerb im Aufwärm-Dress. Heute besteht der größte Spaß darin, sich hinterher wieder über die sportliche Belanglosigkeit zu echauffieren. Man muss es so hart sagen: Diese All-Star-Spiele sind Relikte einer vergangenen Zeit. Was die Stars dort aufführen, ihre akrobatischen Dunks und Dribblings, war vor 30, 40 Jahren eine Sensation, ist aber längst Alltag im Kabinett der Superathleten. Unterboten wird das Ganze nur noch von der zur Schau gestellten Lustlosigkeit der Superstars. Wer will ihnen das auch übel nehmen, wo doch jede Verletzung Millionen kosten kann und sie heillos überlastet sind.

Der Verfall hat querbeet in allen amerikanischen Sportarten eingesetzt. Nur, warum halten die Profiligen den todkranken Patienten im Koma künstlich am Leben? Weil Geld dann doch noch wichtiger als Zeitgeist ist und die Sause verdammt viel Kohle abwirft. Um die 300 Millionen US-Dollar wird das Wochenende einspielen. Da kann die Klage der Fans noch so laut ausfallen – das Rascheln der Scheine übertönt sie nicht.

Reformwillen und Kreativität kann man der NBA nicht absprechen. In diesem Jahr versucht sie’s mit einem Mini-Turnier von gleich vier Teams, darunter eine internationale Auswahl samt der europäischen Größen Nikola Jokic und Viktor Wembanyama. Der K.o.-Modus soll den erlahmten Ehrgeiz der Millionenmänner wiederbeleben. Ein echter Umsturz, wie ihn die NHL gerade versucht, ist das nicht. Bleibt nur zu hoffen, dass das Experiment auf Eis reüssiert. Aber selbst wenn, werden die mächtigen Männer der NBA nicht vom Pfad des Geldes abrücken.

Artikel 11 von 11