Blaues Auge für Sinner

von Redaktion

Dreimonatige Sperre dank WADA-Deal für Dopingsünder – Konkurrenz ist empört

Nick Kyrgios vermisst „Fairness“ beim Urteil. © Imago

Dopingsperre ohne große Konsequenz: Jannik Sinner verpasst kein Grand Slam und darf Titel behalten. © Ng Han Guan/dpa

Rom – Drei Wochen nach dem Triumph von Melbourne darf sich Jannik Sinner erneut als Sieger fühlen. Nach einem überraschenden Deal mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) kommt der Tennis-Weltranglistenerste mit einer dreimonatigen Dopingsperre und mit einem blauen Auge davon: Statt einer mehrjährigen Zwangspause muss Sinner nur bis zum 4. Mai aussetzen – bei den French Open ist er schon wieder dabei.

„Dieser Fall hing seit fast einem Jahr über mir, und der Prozess hätte noch eine ganze Zeit fortgedauert mit einem vielleicht erst Ende des Jahres zu erwartenden Urteil“, sagte der Italiener in einer Stellungnahme erleichtert: „Ich habe immer akzeptiert, dass ich für mein Team verantwortlich bin und weiß, dass die strengen Regeln der WADA ein wichtiger Schutz für den Sport sind, den ich liebe. Auf dieser Grundlage habe ich das Angebot der WADA angenommen, dieses Verfahren auf der Grundlage einer dreimonatigen Sanktion zu lösen.“

Sinner war im März 2024 zweimal positiv auf Clostebol getestet worden. Die zuständige International Tennis Integrity Agency (ITIA) akzeptierte Sinners Argumentation, dass das Steroid unabsichtlich bei einer Behandlung durch seinen Physiotherapeuten in seinen Körper gelangt sei. Die WADA war gegen die Entscheidung vorgegangen und hatte eine Sperre von ein bis zwei Jahren erreichen wollen. Der Fall wäre im April vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS verhandelt worden.

Rund zwei Monate vor diesem Termin lenkte die WADA, die gegen die ursprüngliche ITIA-Entscheidung Einspruch eingelegt hatte, ein. „Ungeachtet dieser Berufung war die WADA aufgrund der Umstände dieses konkreten Falls bereit, einer Vergleichsvereinbarung gemäß Artikel 10.8.2 des Welt-Anti-Doping-Codes zuzustimmen, um ein faires und angemessenes Ergebnis sicherzustellen“, schrieb die Agentur. Die Berufung vor dem CAS sei offiziell zurückgezogen worden.

Die WADA akzeptiere „die Erklärung des Athleten für den Verstoß, wie sie in der Entscheidung erster Instanz dargelegt wurde.“ Aus WADA-Sicht habe Sinner „nicht betrügen wollen“, der Kontakt mit Clostebol haben „keinen leistungssteigernden Nutzen gebracht“, dieser sei „ohne sein Wissen aufgrund der Fahrlässigkeit von Mitgliedern seines Gefolges“ geschehen.

Die milde Sanktion stieß aber teils auf Unverständnis. „Drei Monate, keine Titel verloren, kein Preisgeld verloren. Schuldig oder nicht, es ist ein trauriger Tag für das Tennis. Dort gibt es keine Fairness“, schrieb der Australier Nick Kyrgios, zuletzt schon „Chefkritiker“ in der Causa, bei X.

Laut WADA darf Sinner ab dem 13. April wieder „offiziell trainieren“. Bis zum Ablauf der Sperre wird er vier ATP-Masters verpassen, könnte aber kurz vor den French Open noch beim Heimspiel in Rom aufschlagen. Es hätte weitaus schlimmer kommen können für den derzeit besten Tennisspieler der Welt – auch wenn ein Freispruch erster Klasse anders aussehen würde.
SID

Artikel 1 von 11