Da kommt was auf ihn zu: Gernot Mang (M.), Löwen-Präsident in spe, im Fanblock. © Sampics
Keine Rücksicht auf den Ex-Verein: Christoph Daferner, bis 2017 im NLZ des TSV 1860 ausgebildet, brachte die Löwen mit einem Doppelpack auf die Verliererstraße – für Marco Hiller gab es bei beiden Toren nichts zu halten. © Sampics / Cathrin Müller
Dresden – Da ist er wieder, dieser ungebetene Gast, bei dem man beim TSV 1860 gehofft hatte, ihn in dieser Drittligasaison nicht mehr zu Gesicht zu bekommen: Das Abstiegsgespenst ist endgültig wieder zurück bei den Löwen. Am Sonntagabend verpassten euphorische Dresdner den desolaten Sechzgern eine gehörige Tracht Prügel. 5:2 hieß es am Ende aus Sicht der Gastgeber. Da die Konkurrenz im Abstiegskampf beinahe ausnahmslos dreifach punktete, ist der Vorsprung der Löwen auf die Gefahrenzone auf drei Punkte zusammengeschmolzen.
„Es war eine deutliche Niederlage“, sagte 1860-Coach Patrick Glöckner bei MagentaSport: „Die Höhe ist natürlich brutal für uns. Alles in allem haben wir heute viele Dinge gesehen, die wir so nicht machen wollen.“ Kapitän und Rückkehrer Jesper Verlaat sagte: „In manchen Situationen waren wir zu weit weg vom Gegner, das darf nicht passieren. Wir sind größtenteils eigenverschuldet unter die Räder gekommen.“
Eigentlich war aus Löwen-Sicht alles angerichtet für die Überraschung im Rudolf-Harbig-Stadion. Im 250. Drittligaspiel wollte Glöckners Team den Aufwärtstrend – drei Spiele ohne Niederlage in Folge – bestätigen. Doch schon früh mussten der designierte Präsident Gernot Mang, der die Partie im Auswärtsblock verfolgte, und die restlichen rund 1200 mitgereisten Löwenfans feststellen, dass die 1860-Defensive mit der Wucht der Gastgeber an diesem Abend nicht mithalten konnte. Ex-Löwe Christoph Daferner war Löwen-Kapitän Jesper Verlaat, der nach zweieinhalbmonatiger Verletzungspause ein unglückliches Comeback feierte, entwischt und traf zum 1:0 (6.).
Immerhin auf diesen Rückstand hatte Sechzig noch eine Antwort, Leroy Kwadwo traf aus spitzem Winkel postwendend zum umjubelten 1:1-Ausgleich (9.). Eben jener Kwadwo sollte fortan eine unglückliche Hauptrolle im Spiel einnehmen. Beim 2:1 der Dresdner, abermals durch Daferner, verlor er das entscheidende Kopfballduell. Vor dem Treffer zur 3:1-Vorentscheidung kurz vor der Pause ging Kwadwo zu Boden. Andi Hoti schloss aus dem Gewühl nach einer Ecke ab, traf genau den am Boden liegenden Kwadwo, der den Ball unhaltbar für den bemitleidenswerten Löwen-Keeper Marco Hiller abfälschte. Bitter: Nur eine Minute vor der dritten Dynamo-Watschn hatte Sechzig-Youngster Tim Kloss – ersetzte den kranken Philipp Maier – die riesige Chance auf das 2:2, scheiterte freistehend vor Dresdens Schlussmann Tim Schreiber.
Zurück zu Kwadwo: Obwohl mit Gelb vorverwarnt, ließ Glöckler seinen Linksverteidiger auch im zweiten Durchgang auf dem Rasen. Dieser versuchte vor dem 4:1 den Ball zu klären, spitzelte ihn stattdessen – bezeichnend für diesen Horror-Abend – in den Lauf von Tony Menzel, der Hiller zum 4:1 überwand (63.). Sieben Minuten später erhöhte Jakob Lemmer mit einem satten Fernschuss auf 5:1 – das Debakel war perfekt. Der Handelfmeter, den Maximilian Wolfram in der Nachspielzeit verwandelte, hübschte das Ergebnis nur minimal auf. Es war zugleich die letzte Aktion des Spiels.
Schon am Freitag geht‘s weiter für die geprügelten Löwen: Heimspiel gegen Arminia Bielefeld (19 Uhr, MagentaSport). „Wir brauchen 45 Punkte, die müssen wir holen“, sagte Glöckner: „Wichtig ist, dass wir die Niederlage gut analysieren.“
MARCO BLANCO UCLES