Derby-Blamage für den BVB

von Redaktion

Dortmunds „Schönspieler“ enttäuschen weiter vor sich hin

Bochum – Nach der Derby-Blamage sammelten sich die Dortmunder Spieler an der Strafraumkante und hielten Sicherheitsabstand zu ihren wütenden Fans. Niemand wollte dahin gehen, wo es wehtut. Wie schon in den 95 Minuten zuvor. Und auch danach, als sie ganz schnell in der Kabine verschwanden und der Interviewzone im Ruhrstadion – und damit kritischen Fragen – fernblieben.

Trainer Niko Kovac versuchte sich in einer lahmen Entschuldigung. „Die Jungs haben jetzt ihr Programm. Sie spielen wieder in vier Tagen und müssen so schnell wie möglich regenerieren“, sagte der neue BVB-Trainer nach der ernüchternden 0:2 (0:2)-Pleite beim Abstiegskandidaten VfL Bochum und fügte an: „Ich bin ja da, das reicht ja.“

So blieb es Kovac vorbehalten, die Nichtleistung seiner Schützlinge im Revierderby vier Tage nach dem 3:0 in der Champions League bei Sporting Lissabon zu erklären. Und der Neue, der als erster Borussia-Trainer seit Timo Konietzka vor 41 Jahren seine ersten beiden Bundesligaspiele verlor, musste konstatieren, dass sich wenig gegenüber seinem Vorgänger Nuri Sahin geändert hatte. Schon zum vierten Mal verlor der BVB nach einem Sieg auf der großen europäischen Bühne im Bundesliga-Alltag. „Das sind eklige Spiele“, meinte Kovac, „das ist unsere Hausarbeit, sie Woche für Woche in der Bundesliga zu erledigen, ist schwierig. Die Champions League ist nur die Sahne auf der Torte.“

Immerhin fand Nico Schlotterbeck am Mikrofon des Rechteinhabers Sky, an dem er nicht vorbeigehen durfte, klare Worte. Die Mannschaft müsse „von sich aus den Pötten kommen“, forderte der Nationalspieler, sonst drohe „eine Horrorsaison“. Nach nur einem Sieg aus den vergangenen sieben Bundesligaspielen ist der Rückstand als Tabellenelfter auf die Champions-League-Plätze auf acht Punkte angewachsen.

Auch die Verantwortlichen, die mit versteinerten Mienen die erste Pleite in Bochum seit 18 Jahren verfolgt hatten, schwiegen. Weder Sport-Geschäftsführer Lars Ricken noch Sportdirektor Sebastian Kehl wollte reden. Ihnen wird offenbar allmählich klar, was für eine Mannschaft sie da zusammengestellt haben. Aufbäumen, wenn es nicht von Anfang an läuft? Fehlanzeige. Führungsspieler, die Verantwortung übernehmen? Fehlanzeige. „Da ist Hopfen und Malz verloren“, urteilte Sky-Experte Dietmar Hamann aus der Ferne, er habe eine „Jugendmannschaft“ gesehen, der „Professionalität, Seriosität und Leidenschaft“ gefehlt hätten. Und auch das böse Wort „Schönspieler“ fiel.

Während die Bochumer nach dem Doppelpack ihres griechischen Winterzugangs Georgios Masouras (33./35.) erst Sirtaki tanzten und dann wortreich über ihre neuen Hoffnungen im Abstiegskampf redeten, versuchte Kovac, die ewige Dortmunder Mentalitätsdebatte zu ersticken. Seine Spieler hätten „den Kampf angenommen“, es sah anders aus.
SID

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