ZUM TAGE

FC Bayern: Jetzt fehlt nur noch die Balance

von Redaktion

Christoph Freund hatte durchaus Recht. Nach dem spielerisch schwachen, im Meisterkampf aber enorm wichtigen Unentschieden in Leverkusen reagierte der Sportdirektor etwas gereizt, als er auf das dürftige Auftreten des FC Bayern angesprochen wurde. „Jetzt drehen sich die Fragen ja komplett“, beschwerte sich sich der Sportdirektor und spielte damit auf den ansonsten oft umgekehrten Verlauf nach Punktverlusten der Bayern an: Wenn der Rekordmeister in dieser Saison nämlich nicht gewinnen konnte, lag das meistens an Kontertoren trotz dominanter Spielweise. Nach Abpfiff wurde dann stets gefragt, ob der FC Bayern cleverer agieren müsste, um für Ergebnisse statt schönem Fußball zu sorgen – wenn man so will, hat der Rekordmeister in Leverkusen genau das getan.

Oder war es einfach clever?

Denn durch das Unentschieden bleibt der Abstand auf die Werkself gleich, trotz einzelner Ausfälle in dieser Saison (Aston Villa, Mainz, Rotterdam) wirkt es kaum vorstellbar, dass die Münchner den Vorsprung von acht Punkten in zwölf ausbleibenden Partien noch verspielen. Daher darf man mit diesem Punktgewinn zufrieden sein, zumal Bayern zu diesem Saisonzeitpunkt erst zweimal (2014 und 2016) mehr Zähler in der Tabelle hatte. Vincent Kompany hat die Mannschaft wieder stabilisiert, in der Liga sammelt sie so verlässlich Siege wie kein anderes Team – daher ist die mutmaßliche Meisterschaft verdient.

Wie weit es in der Champions League reicht, wird sich allerdings noch zeigen. Bislang fehlt die Balance gegen Topteams. Wie von Freund richtig angesprochen, musste der FC Bayern gegen Spitzenmannschaften oft Lehrgeld zahlen, ob in der Königsklasse oder wie gegen Frankfurt in der Liga. Eine zweite, defensivere Taktik für Duelle mit hochklassigen Gegnern zu entwickeln, ist daher richtig. Den eher glücklichen Punkt in Leverkusen als Beweis für eine erfolgreiche neue Herangehensweise zu sehen, aber nicht. Schließlich hätte Bayer mit etwas besserer Chancenverwertung auch deutlich gewinnen können. Auf Spielglück zu hoffen, darf und wird in den Champions-League-K.o.-Spielen nicht der Plan sein. Schließlich werden Mannschaften wie der FC Liverpool oder Real Madrid nicht so fahrig mit ihren Chancen umgehen – Bayern muss also einen Weg finden, auch ohne Lehrgeld dominant zu spielen.

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