Frust statt Trophäe

von Redaktion

Bayerns Basketballer scheitern im Pokal-Halbfinale – Pesic: „Zu pomadig“

Entrückte Gastgeber: Weißenfels feiert Matchwinner Martin Breunig (oben), Bayerns Nick Weiler-Babb ist nach der Niederlage fassungslos. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl

Weißenfels – Der Abgang war still, aber zumindest stilvoll. Über den roten Teppich des Spieler- und VIP-Eingangs der Weißenfelser Stadthalle schlichen die Basketballer des FC Bayern in die kalte Sachsen-Anhalter Nacht. Als die Kollegen aus Bamberg und Frankfurt um den zweiten Platz im Pokalfinale rangelten, rüsteten sich die Münchner für die lange Busfahrt in Richtung Heimat. Man tat es mit trüben Gefühlen.

Auch der Chef selbst. „Es ist eine riesengroße Enttäuschung“, sagte FCB-Geschäftsführer Marko Pesic mit Blick auf das 93:95 im Halbfinale gegen den Mitteldeutschen BC: „Wir sind hierhergefahren, um den Pokal zum zweiten Mal zu verteidigen. Wir werden einige Tage zum Wunden lecken brauchen.“ Dass der MBC den Titel am Ende gewann (97:87 im Finale gegen Bamberg), ist ein schwacher Trost

Selten schienen die Verhältnisse klarer zu sein als in einem Turnier mit dem aktuellen 10. (MBC), 14. (Bamberg) und 16. (Frankfurt) der Bundesliga. Oder wie es MBC-Trainer Janis Gailitis ausdrückte: ein Turnier, in dem drei Glückliche sind und ein großartiges Team.

Doch Gailitis‘ Team war an die Aufgabe mit einer „Spiel-des-Lebens-Haltung“ herangegangen. Mit „großer Leidenschaft“, wie sein Münchner Widerpart Gordon Herbert befand. Das Publikum in der kleinen Arena war schnell entrückt und die Fanlager aus Bamberg und Frankfurt verbündeten sich mit den heiß kämpfenden Gastgebern („Alle gegen Bayern“) – eine Situation, die die Bayern offenkundig auf dem falschen Fuß erwischte. Man versuchte es spielerisch. Aber „pomadig“, wie Pesic befand. „Wir waren offenbar nicht bereit, mit der Aggressivität und Intensität des MBC mitzugehen.“ Bester Beleg: In Halbzeit eins schöpften die Bayern nicht einmal die erlaubten Fouls aus.

Passend dazu der letztlich entscheidende Korb, eine Sekunde vor dem Ende, als Martin Breunig gegen zwei Münchner an einen Abpraller kam und den Ball durch die Reuse schubste. Klar, auch „ein bisschen Glück“, wie Breunig nach der Schlusssirene befand. Doch das hat bekanntlich der Tüchtige. Und es war eine Szene mit Ansage. Breunig hatte alleine in den Schlussminuten die Bayern-Abwehr fünfmal auf ähnliche Weise überlistet. „Wenn du 95 Punkte bekommst, verdienst du es nicht zu gewinnen“, resümierte Coach Herbert an seinem 66. Geburtstag.

Abgesehen von den vier Nationalspielern Andi Obst, Ivan Kharchenkov, Johannes Voigtmann und Justus Hollatz, die schon am Montag zum Endspurt der EM-Qualifikation aufbrechen, hat der Tross der Enttäuschten nun fünf Tage zum vom Chef verordneten Wundenlecken. Erst am Samstag nimmt Gordon Herbert die Arbeit mit seinen Profis wieder auf. Fünf Tage später beginnt in der Euroleague die Zeit der Endspiele mit dem Gastspiel bei Tabellennachbar Paris Basketball. Mit einem Sieg könnte man einen heißen Rivalen im Rennen um Platz sechs und damit die direkte Playoff-Qualifikation schon distanzieren.

Bei den Bayern hofft man auf einen Lerneffekt. „Wir müssen uns bewusst machen, was schiefgegangen ist“, sagte Pesic und fügte eindringlich hinzu – „und es besser machen.“ Zumindest Lehren nahm der entthronte Pokalsieger aus Weißenfels mit.
PATRICK REICHELT

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