Mauern für die Meisterschaft

von Redaktion

Bayern beim 0:0 in Leverkusen historisch schwach – aber Titel fast sicher

Zufrieden mit dem Punkt: Den Bayern ist die Meisterschaft wohl nicht mehr zu nehmen. © Gambarini/dpa

Bezeichnend: Leverkusen drängte Bayern hinten rein, aber entweder war die Latte im Weg, oder wie hier Hiroki Ito. Am Ende verzeichnete Leverkusen 15 Torschüsse. © IMAGO

Leverkusen – Wenn man nur auf die Zahlen schaut, ging der FC Bayern als klarer Verlierer aus dem Topspiel in Leverkusen. Beim 0:0 am Samstagabend wurde der Rekordmeister über 90 Minuten dominiert, fand gegen das aggressive Pressing der Werkself kaum Lösungen und zeigte sich offensiv historisch schwach: Noch nie seit Beginn der Datenerfassung 1992 und seit 1100 Münchner Bundesligaspielen hatte der FCB zur Halbzeit keinen Torschuss verbucht. Am Spielende sollten es gerade mal zwei Mini-Chancen sein – ein abgeblockter Schuss von Harry Kane (der bezeichnenderweise im Seitenaus landete) und ein Kopfball des eingewechselten Leon Goretzka erzeugten den xG-Wert (also der erwarteten Tore) von 0,05 – während Leverkusen auf 2,19 kam, zweimal an der Latte und mehrfach am glänzend reagierenden Manuel Neuer scheiterte.

Zwei Mini-Chancen

Blickt man jedoch auf die Tabelle, ging der FC Bayern als Sieger vom Platz. Durch das Unentschieden bleibt der Abstand auf Bayer bei acht Punkten – noch nie hat eine Mannschaft einen derartigen Vorsprung bei noch zwölf ausbleibenden Partien verspielt. Entsprechend zufrieden zeigten sich die Bayern mit dem Resultat. „Wir sind sehr glücklich über diesen Punktgewinn“, sagte Max Eberl nach der Partie bei Sky90. Der Sportvorstand war „froh, als das Spiel abgepfiffen wurde“ und erklärte: „Wir haben gemacht, was eher untypisch für die Bayern ist. Wir haben gekämpft, wir haben gegrätscht“, so Eberl. „Grundsätzlich ist es nicht die Bayern-DNA, auf Unentschieden zu spielen. Bayer hat uns aber dahin gebracht. Wenn du Meister werden willst, musst du solche Spiele punktetechnisch ziehen.“

Auch Aleksandar Pavlovic erklärte, dass die Stimmung in der Kabine trotz des ernüchternden Auftritts „positiv“ gewesen sei: „Es war ein schweres Spiel. Es hat nicht alles so geklappt, wie wir uns das vorgestellt haben, aber wir sind mit dem Punkt zufrieden.“ Und Thomas Müller fasste die Ausgangslage gewohnt treffend zusammen: „Leverkusen hat ein gutes Spiel gemacht, wir haben ein gutes Ergebnis mit nach Hause genommen. Wir werden unseren Weg weitergehen.“

Dieser Weg führt zunächst am Dienstag zum Playoff-Rückspiel gegen Celtic (21 Uhr/Prime Video), in das der FCB nach dem 2:1 im Hinspiel mit einer hervorragenden Ausgangslage geht. Danach warten mit Frankfurt und Stuttgart und den möglichen Achtelfinalgegnern in der Königsklasse (Atletico oder Leverkusen) aber weitere Spitzenteams, die sich die Probleme der Bayern genau angeschaut haben dürften.

Christoph Freund wollte eine Debatte über die Spielweise jedoch nicht hinnehmen: „Das war das Maximum, was heute drin war für uns. Aber es macht mir keine Sorgen: Wir können sicher besser Fußball spielen“, sagte der Sportdirektor. „Es ist ein Ergebnissport. Wir wissen schon, wie wir auch gegen starke Gegner spielen können.“ Zumindest gegen Leverkusen schien dieses Wissen aber noch nicht beim Team angekommen zu sein. „Unser Plan war wie immer, wir wollten vorne pressen“, gab Pavlovic zu. „Das ist uns leider heute nicht gelungen. Wir hatten nicht so viele Ideen.“ Und auch Lothar Matthäus schlug Alarm: „So harmlos habe ich die Bayern noch nie gesehen“ – angesichts der Kaliber auf dem Weg zum möglichen Finale Dahoam sollten sie schnell die Lehren aus dem Topspiel ziehen.
V. TSCHIRPKE, M. BONKE

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