Mit Hummeln im Arsch zu Bronze

von Redaktion

Endlich eine WM-Medaille: Münchner Slalom-Ass Straßer erlöst DSV-Team

Ging leer aus: Lena Dürr aus Germering. © Büttner/dpa

Geniale Atmosphäre: Rund 20.000 Zuschauer erwarteten die Fahrer am Sonntag in Saalbach im Ziel. © Coffrini/AFP

Ein Münchner im WM-Himmel: Linus Straßer freute sich mit Frau Maria und Töchterchen Marta über Bronze. © Büttner/dpa

Saalbach-Hinterglemm – Linus Straßer konnte kaum fassen, was da geschah. Verblüfft nahm er wahr, dass der Franzose Clement Noel an einem Tor vorbeigefahren war, nur langsam wurde ihm bewusst, dass er damit Bronze gewonnen hatte. „So hart ist der Slalom. Zu meinem Glück“, sagte Straßer erkennbar aufgekratzt und bewegt. Als er zur Siegerehrung inmitten des Zielraums am Fuße des Zwölferkogels trat, schossen ihm die Tränen in die Augen. Bronze, ergänzte er, „freut mich extrem. Das war ein guter Tag.“

Nach einem guten ersten Lauf und Platz fünf hatte Straßer im Finale zunächst die Führung übernommen. „Im Ziel war ich mir nicht sicher ob das reicht. Es war nicht der Lauf, bei dem man denkt: Wer soll mich heute noch schlagen“, bekannte er im ZDF. Doch von den vier Läufern, die ihm folgten, waren nur Loic Meillard aus der Schweiz und Atle Lie McGrath aus Norwegen schneller, und als Noel patzte, wurde nicht zuletzt Straßer übermannt von seinen Gefühlen.

Dem Deutschen Skiverband (DSV) ersparte Straßer, der in diesem Winter noch keine Podiumsplatzierung erreicht hatte, mit der ersten Einzelmedaille seiner Karriere die erste WM ohne Podestplatzierung seit 2007. Das bedeute „schon viel“, sagte der 32 Jahre alte Münchner, „es freut mich für den Verband“. Er betonte aber auch: „Ich bin das halbe Jahr weg von meiner Familie, das mache ich sicher nicht für den DSV. Der unterstützt mich, aber das mache ich für mich.“

DSV-Sportvorstand Wolfgang Maier hielt dem erleichtert entgegen, „natürlich haben wir am Ende eine Medaille für den DSV gewonnen“, er betonte aber auch: „Das Ziel war natürlich, Medaillen, nämlich zwei, zu gewinnen, das haben wir definitiv nicht erreicht. Wir haben gute Ansätze, wir sind nicht komplett abgeschlagen, aber uns fehlt der Punch aufs Podium.“ Ein Punch, das betonte Maier, den Straßer freilich zeigte.

Tatsächlich gab es zuvor eine Reihe von Gelegenheiten, eine Medaille zu gewinnen – dabei wurde Lena Dürr ein wenig zur tragischen Figur: Erst patzte sie im Team-Wettbewerb, dann konnte sie in der neuen Team-Kombi die Vorlage des zweiten Platzes von Emma Aicher in der Abfahrt nicht nutzen. Das Duo belegte Rang neun.

Und schließlich missriet der WM-Dritten von 2023 der Spezialslalom: Weniger, weil sie am Tag vorher krank im Bett gelegen hatte, es waren, gab sie zu, „eher die Bedingungen und die Kurssetzung, mit denen ich gar nicht klargekommen bin“. 1,13 Sekunden fehlten ihr am Ende als Achte zu Rang drei.

Maier hat festgestellt, dass seine Mannschaft unter anderem die Rolle des Außenseiters nicht als Chance begriffen hat. „Wir müssen es schaffen“, sagte er deshalb, „dass wir unsere Athleten in eine Position versetzen, wo sie sich zutrauen, mit den besten mitzufahren. Wir haben gute Ansätze, aber am Ende ist es immer die Überzeugung, die ich selbst habe.“

Straßer hatte sie. Mit „Hummeln im Arsch“ sei er den zweiten Durchgang nach der Besichtigung angegangen. Die Kurssetzung taugte ihm, der Münchner hatte richtig „Lust“. Eine Einstellung, die sich auszahlte.

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