Mit dem Rücken zur Wand

von Redaktion

Nach enttäuschendem Saisonverlauf geht es für Guardiola und City um alles

Hatte im bisherigen Saisonverlauf wenig Grund zur Freude: Manchester-City-Trainer Pep Guardiola. © IMAGO/Daniel Weir

Madrid – Pep Guardiola griff tief in die psychologische Trickkiste. Ein sensationelles Comeback im legendären Santiago Bernabéu? Fast ausgeschlossen. Der Startrainer von Manchester City bezifferte die Chance auf ein Weiterkommen im Königsklassen-Kracher gegen Real Madrid auf „ein Prozent“ – doch insgeheim hofft er am heutigen Mittwochabend (21.00 Uhr/DAZN) auf den ganz großen Coup.

Mit der öffentlich inszenierten Selbstaufgabe führt Guardiola vor dem Play-off-Rückspiel vor allem eines im Schilde: Er will seiner in dieser Saison so wankelmütigen Mannschaft nach der 2:3-Heimniederlage im Hinspiel den Druck nehmen. Denn die Realität dieser durchwachsenen Saison zeige, dass man „meilenweit“ von der Bestform entfernt sei. „Aber solange man eine Chance hat, werden wir es versuchen“, betonte Guardiola: „Das steht fest.“

Der größte Hoffnungsträger für die Aufholjagd des Champions-League-Siegers von 2023 ist diesmal nicht Star-Stürmer Erling Haaland, sondern ein gewisser Omar Marmoush. Beim 4:0 gegen Newcastle United erzielte der Ex-Frankfurter seine ersten Tore für City und schnürte mit einem Dreierpack (19., 24., 33.) binnen 14 Minuten sein erster Karriere-Hattrick. „Das ist erst der Anfang“, sagte Marmoush selbstbewusst, „wir freuen uns auf die nächsten Spiele.“

Ein wenig zurückhaltender fiel allerdings der Kommentar seines Teammanagers aus. „Ich war zufrieden mit der Art und Weise, wie er die Tore geschossen hat“, sagte Guardiola nach dem Spiel: „Wir wussten, dass er früher oder später treffen würde, er ist eben ein guter Finisher. Aber jetzt schauen wir mal, wie er mit den ganzen Komplimenten umgeht.“

Guardiola ist sich bewusst, dass Marmoush‘ Tore am Mittwoch in der Champions League weitaus entscheidender wären. Es geht darum, nach der enttäuschten Meisterschaft (16 Punkte Rückstand auf Liverpool) nicht den nächsten schmerzhaften Titel-K.o. zu erleben. Um in Madrid die Verlängerung zu erreichen, muss City nach 90 Minuten mit einem Tor Unterschied führen, für das Weiterkommen ist ein Sieg mit mindestens zwei Toren nötig. Und das im altehrwürdigen Santiago Bernabéu – es gibt leichtere Aufgaben.

Dass Guardiola sich mit großen Fußball-Comebacks auskennt, ist hinlänglich bekannt. Auch mit dem FC Bayern erlebte der Katalane seinerzeit so einen magischen Abend. Im Frühjahr 2015 war es, als die Münchner im Viertelfinale der Champions League eine 1:3-Pleite aus dem Hinspiel noch wettmachten und das Rückspiel gegen den FC Porto mit 6:1 gewannen. Fünf Tore allein in der ersten Hälfte ebneten damals den Weg der Bayern fürs Weiterkommen.

Der Katalane jubelte damals so überschwänglich, dass er sich einen Jubelfaserriss zuzog und die Naht seiner Anzughose riss – einen Umstand, mit dem Guardiola im Erfolgsfall wohl auch heute Abend wieder gerne leben würde.
SID

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