Silvester im Februar: XXL-Feuerwerk in der Fankurve der Löwen. © Sampics
Vom Beinahe-Löwen zum Löwen-Besieger: Joel Grodowski, im Januar auch bei 1860 gehandelt, überlistet Marco Hiller mit einem Drei-Punkte-Lupfer. © IMAGO
München – Es bleibt dabei: Die Löwen können zu Hause nicht gewinnen. Auch im fünften Heimspiel seit dem 9. November (3:0 gegen Mannheim), dem dritten unter der Leitung von Patrick Glöckner, gab es am Ende lange Gesichter. Nach den beiden 1:1-Unentschieden gegen Stuttgart und Ingolstadt setzte es am Freitag eine sehr ernüchternde 0:3 (0:1)-Heimniederlage gegen Arminia Bielefeld. Für den kaltschnäuzigen DFB-Pokal-Viertelfinalist trafen die beiden Winter-Neuzugänge Joel Grodowski (36.) und Roberts Uldrikis (83.), dazu kam ein spätes Kontertor des eingewechselten Julian Kania (90.+3). Drei Treffer, die ein anfangs taktisch geprägtes und später verbissen geführtes Traditionsduell zu Gunsten der abgeklärteren Mannschaft entschieden. 1860 gelang offensiv mal wieder wenig, und angesichts der Gegentore 47 bis 49 dürfte es für die Glöckner-Elf schwer werden, die Abstiegszone bald zu verlassen. Bitteres Fazit von Philipp Maier: „Wir spielen zu naiv. Das 0:2, das ist kein Profifußball, einfach dumm. Du bist bei 60 München, da musst du mutiger sein.“
Man werde die Änderungen „an einer Hand abzählen“ können, hatte Glöckner am Donnerstag angedeutet, und die Überprüfung ergab: Maier nach Grippe zurück im Team, Lucoqui erstmals beim Anpfiff auf dem Feld, Max Reinthaler wieder erste Wahl, ebenso der genesene Lukas Reich. Vier Änderungen waren es, drei in der Viererkette. Man ahnte also, welcher Mannschaftsteil Glöckner beim 2:5 in Dresden am ärgsten missfallen hat.
Es war eine Partie, die äußerst schleppend in Fahrt kam. Zwei Teams mit gehörigem Respekt voreinander, beide auf konzentriertes Arbeiten gegen den Ball bedacht – nichts fürs Auge und noch weniger was für Fans von Freitagabend-Action. Das monströse Feuerwerk, das die Westkurvenfans in der 18. Spielminute zündeten, Anlass unbekannt, blieb lange Zeit der einzige Hingucker.
Kurios wurde es nach einer der seltenen Trinkpausen in einem Februar-Spiel, verursacht durch plötzliche Adduktoren-Schmerzen des Arminia-Torwarts Jonas Kersken. Beide Teams nutzten die Behandlungspause nach 35 Minuten für eine Auszeit vor den Trainerbänken, und als der Ball dann wieder freigegeben wurde, ging es blitzschnell. 70-Meter-Abstoß von Kersken, elegante Weiterleitung des lettischen Arminia-Neuzugangs Uldirikis und vorne schaltete Grodowski schneller als die Innenverteidigung der Löwen. Ein schöner Lupfer über Marco Hiller hinweg. Löwen-Gegentor Nummer 47 fiel schneller, als sich die Gastgeber nach der kurzen Zwangspause wieder sortieren konnten. Oben aus den ehemaligen Reporterkabinen schnellte eine Faust aus dem geöffneten Fenster. Mitch Kniat, der gesperrte Arminen-Coach, war zurecht stolz, wie sich seine Mannschaft in Abwesenheit des Cheftrainers organisiert hatte. „Bis zu dieser Trinkpause hatten wir alles im Griff“, befand Lucoqui, der später die Rote Karte sah, die aber zurückgenommen wurde: „Anscheinend hat uns das aus dem Konzept gebracht.“
In der zweiten Halbzeit, ohne den angeschlagenen Jacobsen und den wirkungslosen Hobsch, versuchten die Löwen noch mal alles, doch vorne fehlte es an Ideen und Präzision – und hinten, speziell in der Schlussphase, an der Cleverness. „Bielefeld bestraft die Fehler sofort, wir nicht – das ist eine Qualitätsfrage“, sprach Glöckner eine unbequeme Wahrheit aus. Null Punkte aus zwei Spielen mit 2:8 Toren – am Ende war es auch für ihn eine Woche zum Vergessen. „Fühlt sich einfach Scheiße an“, sagte Reinthaler und gab die Losung für die kommenden Wochen aus: „Wir müssen Gras fressen, hinten kompromisslos sein, vorne die Dinger reinmachen. Wir müssen es jetzt erzwingen, egal wie.“
ULI KELLNER