Gefühlt war ja klar, dass diese Geschichte noch nicht auserzählt ist. Der FC Bayern trifft im Champions-League-Achtelfinale auf Bayer Leverkusen, und viele Jahre lang wäre das für den Rekordmeister kein besonderer Grund zur Aufregung gewesen. Eine Bedrohung wurde die Werkself schließlich erst, als Ex-Bayernspieler Xabi Alonso in Leverkusen übernahm.
Seitdem entstand nämlich eine Dynamik, die den deutschen Fußball grundlegend veränderte: Alonso war mit seinem 2:1-Sieg vor zwei Jahren mit daran beteiligt, dass die Bayern als Reaktion auf den darauffolgenden zweiten Tabellenplatz Julian Nagelsmann feuerten und stattdessen Thomas Tuchel holten. An dessen Entlassung hatte Alonso im Jahr darauf ebenfalls großen Anteil, weil er Bayer ungeschlagen zur Meisterschaft führte und dem FCB die erste titellose Saison seit zwölf Jahren bescherte. Die endgültige Machtdemonstration, das 3:0 zu Hause vor knapp einem Jahr, stand damals für die Wachablösung im deutschen Fußball.
Kampf um die Vormachtstellung
Und in dieser Saison? Geht der Kampf um die Vormachtstellung weiter, allerdings mit neuen Rollen. Einerseits ist dem FC Bayern die Rückkehr zur Spitze des deutschen Fußballs eindrucksvoll gelungen, mit acht Punkten Vorsprung ist ihm die ersehnte Schale wohl kaum mehr zu nehmen. Andererseits, und hier wird die Geschichte wieder spannend, warf Alonso den FCB im DFB Pokal raus und demontierte ihn zumindest spielerisch am vergangenen Samstag eindrucksvoll. In allen fünf Partien, die die Münchner gegen Leverkusen mit Alonso an der Seitenlinie bestritten, konnten sie nicht gewinnen.
Bei den Duellen im März geht es also um mehr als „nur“ den Einzug in das Champions-League-Viertelfinale. Der FC Bayern will endlich beweisen, dass er Leverkusen und Alonso schlagen kann und die eigene Selbstwahrnehmung als unangefochtene Nummer eins in Fußballdeutschland zementieren. Alonso könnte den FC Bayern dagegen in seinem möglicherweise letztem Duell als Leverkusen-Trainer – der Spanier wird immer wieder mit einem Wechsel zu Real Madrid in Verbindung gebracht – ein weiteres Mal schlagen und im dritten Jahr in Folge ins Wanken bringen. Ein Achtelfinal-Aus wäre für den Rekordmeister schließlich ein absolutes Albtraum-Szenario.