München – Der Blick der deutschen Leichtathletik-Szene geht am Wochenende nach Dortmund. Dort finden die Deutschen Meisterschaften in der Halle statt, und bei manch einem Athleten wird man zweimal hinschauen müssen, um sich an den neuen Anblick zu gewöhnen.
Tobias Potye (Hochsprung) und Yannick Wolf (Sprint) starten nicht mehr für die LG Stadtwerke München, sondern für Cologne Athletics. Die LG SWM verlieren damit zwei nationale Schwergewichte. Potye gewann bei der Europameisterschaft in München 2022 Silber, bei der Weltmeisterschaft in Budapest 2023 sprang er auf einen starken fünften Platz, zudem schmücken fünf Goldmedaillen bei Deutschen Meisterschaften die Vita. Wolf war Teil der deutschen 4×100-m-Staffel bei den Olympischen Spielen in Paris und gewann 2023 den nationalen Titel. Beide Athleten trainieren und leben weiter in München – warum also der Wechsel?
Die LG Stadtwerke München haben neue Förderrichtlinien, die Grundförderung wurde reduziert, sportliche Erfolge – insbesondere auf internationalem Niveau – werden stärker honoriert. Potye, immer wieder von Verletzungen geplagt, erhofft sich durch den Wechsel „mehr Sicherheit“, Wolf sagt unserer Zeitung: „Wir sind uns mit den Stadtwerken nicht mehr einig geworden, das ist sehr schade. Die Bedingungen haben bei Cologne Athletics besser gepasst.“ Also unter anderem höhere, erfolgsunabhängige Fördermittel.
Und was hat es mit Cologne Athletics auf sich? Die Gruppe gehört zu „Germany Athletics“, 2021 von Claus Dethloff gegründet. Der ehemalige Hammerwerfer will die deutsche Leichtathletik revolutionieren und wieder den Anschluss an die internationale Spitze schaffen. Schon im Schulsport wird angesetzt, es sollen dezentral und flächendeckend Talent-Sichtungen stattfinden. Zudem sollen bessere Bedingungen für Trainer und Athleten geschaffen werden. Ableger gibt es nicht nur in Köln, sondern auch in Frankfurt oder Düsseldorf, 2026 soll Leipzig und auch München folgen.
Für die Munich Athletics werden dann auch Wolf und Potye starten, ein neuer Konkurrent vor der Haustüre also für die LG Stadtwerke München. „Die Expansion von Cologne Athletics nach München könnte den Wettbewerb um Talente verstärken“, sagt Geschäftsführerin Julia Riedl unserer Zeitung: „Dennoch sind wir überzeugt, dass die LG Stadtwerke München das Maß der Dinge in München bleiben wird.“ 2024 gab es mit Platz zwei im Deutschen Vereinsranking das beste Ergebnis in der Vereinsgeschichte. Zudem konnte mit dem 23-jährigen Hammerwerfer Merlin Hummel (4. Platz bei der EM in Rom, Olympia-Finalist von Paris) ein starker Neuzugang präsentiert werden.
Trotzdem bedauert man natürlich die Abgänge von Wolf und Potye, jahrelang wichtige Stützen des Teams. Der neue Kurs „war jedoch weniger eine strategische Entscheidung, sondern vielmehr eine notwendige Anpassung, um Kosten zu sparen“, sagt Riedl. Man ist sich bewusst, dass die Fördermittel langfristig wieder erhöht werden müssen, um das Leistungsniveau und die Erfolge aufrechterhalten zu können.
Denn Konkurrent Munich Athletics steht schon in den Startblöcken.
NICO-M. SCHMITZ