Bundestrainer Christian Wück (li.) und Kapitänin Guilia Gwinn (re.) waren nach dem 2:2 gegen die Niederlande – am Ball Jule Brand – nicht zufrieden. © IMAGO/Fantini
Nürnberg – Obwohl inzwischen längst mit der Familie in Ostwestfalen beheimatet, wird Christian Wück seine Verbundenheit ins Frankenland niemals negieren. Wobei der Bundestrainer des deutschen Frauen-Nationalteams stets betont, ein Unterfranke zu sein. Mit Wurzeln in Gänheim, wo Mutter und Bruder immer noch leben. Wenn die DFB-Frauen nun ihr zweites Nations-League-Spiel gegen Österreich in Nürnberg (Dienstag 18.15 Uhr/ZDF) bestreiten, ist es für Wück eine Rückkehr in die alte Heimat. Bereits am Samstag reiste der Tross aus Tilburg an, nachdem das durchwachsene Auftaktspiel gegen die Niederlande (2:2) in Breda mal wieder mehr Fragen als Antworten geliefert hatte. Auch der Bundestrainer tat sich mit einer Einordnung schwer. Es wirkte so, als sei es der 51-Jährige leid, nach jedem Länderspiel die alte Leier anzustimmen. Der Lerneffekt ist da, wir hätten ihn aber gerne vermieden.“
Wück hatte wieder ein Spiel „mit unheimlich vielen Phasen“ gesehen: Wie schon gegen England (4:3), Australien (1:2), Schweiz (6:0) und Italien (1:2) durchlebten die deutschen Fußballerinnen in der niederländischen Provinz Noord-Brabant ein Wechselbad, über das sich auch 2,35 Millionen TV-Zuschauer in der ARD gewundert haben dürften. Debütantin Rebecca Knaak stand symbolisch für Licht und Schatten: Beim 0:1 von Doppeltorschützin Lineth Beerenstyn (13. und 66.) stellte sich die 28-jährige Abwehrspielerin von Manchester City im Laufduell nicht sonderlich geschickt an („da kann ich Dinge sicher besser machen“), um dann allerdings oft mit Übersicht zu punkten. Nach der Wende durch Lea Schüller (45.+1) und Sjoeke Nüsken (50.) geriet der 2:2-Ausgleich zum Tiefpunkt, weil sich Sarai Linder und Klara Bühl anfängerhaft ausspielen ließen.
Wück sah in dieser Szene sogar ein Kollektivversagen: „Da sind die Mädels viel zu lasch an der Frau. Das sind Lehrmomente, die müssen sie mitnehmen.“ Bei der EM in der Schweiz (2. bis 27. Juli) können ähnliche Aussetzer in den Gruppenspielen gegen Polen, Dänemark und Schweden folgenschwer sein. Insgesamt sah das deutsche Spiel wie jener Flickenteppich aus, der im Rat-Verlegh-Stadion lag.
Weil der Olympia-Dritte gegen denselben Gegner vor fast genau einem Jahr unter Horst Hrubesch das Ausscheidungsspiel ums Paris-Ticket noch höchst effektiv mit 2:0 gewonnen hatte, sparte auch Kapitänin Giulia Gwinn nicht mit Kritik: „Wir müssen uns defensiv stabilisieren und ankreiden, dass wir offensiv nicht effektiv genug sind.“ Die 25-Jährige ärgerte sich ebenso über die vielen „Höhen und Tiefen.“
Hinten wie vorne besteht Steigerungsbedarf. Mittelstürmerin Lea Schüller, die in 70 Länderspielen nunmehr 48 Mal traf, hat für das Österreich-Spiel einen ganz einfachen Rat: „Mehr Tore schießen, weniger kassieren.“
FRANK HELLMANN