Die Verhandlung im Sommermärchen-Skandal um Franz Beckenbauer und Joseph Blatter geht weiter. © IMAGO
Frankfurt – Die Aufarbeitung der Finanzflüsse rund um die WM 2006 zieht sich – und liefert weiterhin prominente Zeugen. Am morgigen Donnerstag wird Ex-FIFA-Boss Joseph Blatter per Videoschalte aus der Schweiz vor dem Frankfurter Landgericht aussagen. Er soll Licht in die dubiosen Geldtransfers bringen, die damals über Katar liefen.
Joseph Blatter sagt vor Gericht aus
Im Mittelpunkt steht dabei der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger, der als einziger verbliebener Angeklagter vor Gericht um seine Reputation kämpft. Ihm wird Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall vorgeworfen: Der DFB soll 6,7 Millionen Euro als Betriebsausgabe verbucht und dadurch über 13 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben.
Zwanziger weist Vorwürfe zurück
Zwanziger weist die Vorwürfe zurück und betont, mit der kritischen Steuererklärung nichts zu tun gehabt zu haben. Er betont, dass er in die Steuererklärung des DFB von 2006 nicht involviert war. Die Hoffnungen auf eine vollständige Aufklärung sind jedoch gering. Schlüsselfiguren wie Mohamed bin Hammam wurden nie vernommen, Franz Beckenbauer ist verstorben. Richterin Eva-Marie Distler beklagt die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Zeugen und spricht ironisch von „ansteckenden Gedächtnislücken“.
Blatter, einst die mächtigste Figur im Weltfußball, soll über ein Treffen mit Beckenbauer 2001 berichten, das Distler als „Kern des Bösen“ bezeichnete. Damals nahm Beckenbauer ein Darlehen über zehn Millionen Schweizer Franken auf, das über Katar an Bin Hammam weitergeleitet wurde. Warum? Diese Frage ist bis heute unbeantwortet.
Auch Günter Netzer soll aussagen
Neben Blatter soll auch Günter Netzer aussagen. Der einstige Weltmeister und Vertraute Beckenbauers hatte sich zunächst geweigert, eine Aussage zu machen. Da die Schweizer Behörden Rechtshilfe leisten, muss er sich dem Gericht nun doch stellen. Ob er entscheidende neue Details liefern wird, bleibt fraglich.
Während Zwanziger vor Gericht juristisch versiert seine Unschuld beteuert, steht mit Wolfgang Niersbach ein weiterer Ex-DFB-Präsident im Fokus. Er war es, der die umstrittene Steuererklärung unterschrieb, betont aber heute, sich an viele Details nicht mehr erinnern zu können.
Der „Sommermärchen-Skandal“ bleibt ein dunkler Schatten. Während einige Funktionäre sich längst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen haben, bleibt das Verfahren in Frankfurt ein Mahnmal dafür, dass die Heim-WM auch eine andere, weit weniger strahlende Seite hatte.
DPA